Was ist der Islam? Kulturelle Unterschiede kurz erklärt – ein FAQ

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Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Religion der Welt. Hier einige der wichtigsten Fragen und Antworten zum Islam und den vielen Begriffen, die sich um diese Religion drehen:

Was bedeutet Islam?

Das Wort Islam bedeutet “Hingabe an Gott”. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im 7. Jahrhundert in der arabischen Halbinsel durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde. Er basiert auf dem Glauben an einen einzigen Gott, Allah, und darauf, dass Mohammed sein letzter Prophet ist.

Wer sind die Anhänger des Islam?

Ein Anhänger des Islam wird Muslim (Frauen: Muslima) genannt. Es gibt weltweit über zwei Milliarden Muslim:innen, und sie gehören verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppen an. Die Bezeichnung bedeutet: “der/die sich Gott unterwirft”.

betende Frauen mit Kopftuch
Mit über 2 Milliarden Angehörigen ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion © Depositphotos

Was ist der Koran?

Der Koran ist das heilige Buch der Muslime. Es ist eine Sammlung göttlicher Offenbarungen an den Propheten Mohammed über einen Zeitraum von etwa 23 Jahren.

Was sind die 5 Säulen des Islam? Welche sind die wichtigsten Glaubenssätze?

  1. das Glaubensbekenntnis (Schahada),
  2. das rituelle Gebet (Salat),
  3. die Almosensteuer (Zakat),
  4. das Fasten im Monat Ramadan (Sawm) und
  5. die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch), wenn finanziell und gesundheitlich möglich.

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Was sind die Hauptzweige des Islam?

Die beiden Hauptzweige des Islam sind der sunnitische und der schiitische Islam. Sunniten machen den Großteil der muslimischen Bevölkerung aus, während Schiiten hauptsächlich im Iran, Irak, Libanon und einigen anderen Ländern anzutreffen sind.

Welche sind die wichtigsten Feiertage im Islam?

Die beiden wichtigsten Feiertage im Islam sind Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens, das das Ende des Ramadan markiert (das sog. Zuckerfest), und Eid al-Adha, das Opferfest, das Abraham und seine Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern, gedenkt.

Welche Rolle spielt die Moschee im Islam?

Die Moschee ist der zentrale Ort des Gebets und der religiösen Versammlung im Islam. Muslime beten fünfmal am Tag in Richtung Mekka, oft in einer Moschee, aber sie können auch an anderen Orten beten.

Besucher in einer Moschee mit rotem Teppich
In Moscheen sind dezente Kleidungsstücke vorgeschrieben © Fotolia

Der in Palästina geborene Salah Arafat gibt uns noch weitere Antworten zu den kulturellen Unterschieden. Er hatte während der letzten zehn Jahre Asylbewerber:innen unterrichtet sowie Vorträge zu Gepflogenheiten in der islamischen Welt (arabische Gebiete) und kulturellen Unterschieden gehalten. Die häufigsten Fragen deutscher Teilnehmer:innen möchte er hier beant­worten:

Was ist der Unterschied zwischen Islam und Islamismus?

Islam ist eine Religion mit Geboten und Verboten. Man kann den Glauben ausleben oder nicht. Muslim:innen glauben, dass nur Gott über Belohnung und Bestrafung entscheidet. Im Islamismus versuchen radikale Muslim:innen, die Religionsgebote mit gewaltvollen Methoden in der Gesellschaftsordnung zu verankern.

Ist die Auslegung und Deutung des Korans in allen islamischen Ländern gleich?

Der Koran ist eine direkte Offenbarung Gottes. Er darf nur in arabischer Sprache geschrieben sein, aber Übersetzungen gibt es in vielen Sprachen. Arabisch hat sich in den letzten 1500 Jahren massiv geändert. Viele Muslim:innen brauchen deshalb eine Deutung der Suren (Kapitel des Korans), auch wenn Arabisch ihre Muttersprache ist. Es gibt 1,2 Milliarden Muslim:innen auf der Welt. Die Mehrheit spricht nicht Arabisch und ist daher auf eine Übersetzung des Korans angewiesen. In beiden Fällen gibt es strenge und liberale Deutungen und Übersetzungen, die das religiöse Verhalten der Menschen beeinflussen.

Was bedeutet der Begriff „Jihad” (oder “Dschihad”) im Islam?

„Jihad“ ist ein alter Begriff und kann – abhängig vom Thema – unterschiedlich interpretiert werden. „Jihad“ kann etwa bedeuten, dass ein Familienvater viel arbeitet, um seine Familie zu ernähren (ein Kampf).

In unserem Fall gilt:

  • Der Ruf zum „Jihad“ erfolgte, wenn Muslime von Nichtmuslimen angegriffen wurden und Hilfe der Bevölkerung benötigten.
  • Früher wurden Kriege geführt, um den Islam (Botschaft Gottes) zu verbreiten. Diese Kriege wurden als „Jihad“, also „Kampf für Gott“, bezeichnet. Der Begriff wird leider von Extremist:innen benutzt, um ihre Terrortaten zu begründen.

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Wie erleben (speziell konservative) Muslim:innen die kulturellen Unterschiede in Deutschland?

Wenn die Menschen in Deutschland ankommen, sind sie zunächst froh, das Elend hinter sich zu lassen, und merken den Kulturschock nicht. Ich denke, dass der Verlauf dem der türkischen Gastarbeiter:innen in Deutschland ähnelt. Der Unterschied ist, dass die Asylbewerber:innen jetzt am ­Inte­grationsunterricht teilnehmen können.
Ob konservativ oder liberal, Religion hat im Hinterkopf der Asylbewerber:innen immer einen Platz. Wichtig für mich ist, den Menschen klar zu machen, dass in Deutschland unsere Verfassung und das Grundgesetz die Basis des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind.

Wie kann die deutsche Gesellschaft Asylbewerber:innen das Einfinden in der neuen Heimat erleichtern?

Ich beende meine Vorträge immer mit diesem Satz:

Nicht nur Bildung, sondern auch Arbeit und Gesellschaftskenntnisse sind der Schlüssel zur Integration. Für mich ist es ein sehr wichtiger Punkt, dass Asylbewerber:innen arbeiten dürfen und nicht jahrelang von Hilfen leben müssen. Das gibt ihnen das Gefühl, etwas zu leisten und somit zur Gesellschaft zu gehören.

Viele Menschen in Deutschland schauen zu und beobachten und vergleichen, was Asylbewerber:innen tun. Wir alle kennen Sprüche wie: „Ich muss schuften und Steuern zahlen und die kriegen alles umsonst.“ Um diesem Gefühl und einer Spaltung zwischen den „Fremden“ und den Einheimischen entgegen zu wirken, ist die unbürokratische Erteilung einer Arbeitserlaubnis sehr hilfreich.

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Wo gibt es am meisten Missverständnisse bei kulturellen Themen zwischen Asylbewerber:innen und Deutschen?

Sieben Jahre habe ich bei Fortbildungszentren in Freising und Dachau gearbeitet, etwa über die lagfa Bayern (Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen/-Zentren und Koordinierungszentren Bürgerschaftlichen Engagements in Bayern, Anm. der Red.) Vorträge gehalten und Asylbewerber:innen unterrichtet. Thematisch relevant für Deutsche waren dabei Gepflogenheiten im arabisch-islamischen Raum, alles rund um Arbeit, Beruf und Chancen der Asylbewerber:innen zur Teilhabe sowie die Situation geflüchteter Frauen aus der islamischen Welt in deren Heimat.

Das Hauptproblem auf beiden Seiten ist ähnlich. Die Menschen wissen sehr wenig übereinander.

Deshalb müssen wir Asylbewerber:innen von Anfang an über die deutschen Gesellschaftswerte informieren. Über Grundrechte und Pflichten, über das Verhalten und Auftreten in der Öffentlichkeit und was hier verboten ist.

Salah Arafat, in Palästina geboren, arbeitete viele Jahre als Entwicklungs­ingenieur und hält seit 2014 Vorträge zu ­Gepflogenheiten und Arbeitswelten des arabisch-islamischen Raums und Deutschlands.

Autor Salah Arafat
Salah Arafat

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