Italienische Keramikkunst und Fliesen aus Apulien: Tradition trifft Moderne

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Keramik aus Apulien, das ist nicht nur der bekannte Glücksbringer Pumo. Junge Designer:innen und Künstler:innen kreieren moderne und überraschende Varianten von Geschirr, Waschbecken, Figuren, Vasen, Lampen oder Bodenfliesen. Und manchmal verbinden sie Tradition mit Moderne geschickt mit einem Augenzwinkern.

Keramik-Designer:innen aus Apulien

Auf der Designmesse Artifex in Bari konnten wir einige dieser Keramik-Künstler:innen kennenlernen, die alle mit großer Leidenschaft und Liebe zu ihrem Beruf „ihre Hände gern im nassen Ton oder Lehm schmutzig machen“, wie uns einer der Künstler mit einem breiten Lächeln mitteilte. Hier wollen wir euch einige der besten Keramikdesigner:innen vorstellen. Alle wurden wegen hoher Qualität und neuartigem Design ausgezeichnet:

Typische Marra-Muster © Marra Pavimenti

Marra Pavimenti, einzigartige Bodenbeläge

„Es ist ein Marra!“ Diesen begeisterten Ausruf hört man oft, wenn man die typischen Muster italienischer Böden betrachtet. Denn Marra Pavimenti prägt das Bild der Fußbodenbeläge bereits seit 1948. Damals machten die Brüder Marra ihre Leidenschaft für alte Zementfliesen aus den späten Jahren des 19. Jahrhunderts zu ihrem Beruf. Sie entwickelten einzigartige Fliesen-Kreationen aus feinen Marmorsplitt, Weißzement, Wasser und sorgfältig abgestimmten Farben und Mustern.

Francesco und Simona Marra © Siegbert Mattheis
Extrem robust © Siegbert Mattheis
Badfliesen © Marra Pavimenti
Dieses Muster dürfte bekannt sein © Marra Pavimenti

Diese Cementine (Zementfliesen) galten Anfang des 20. Jh. als robust und wirtschaftlich und wurden oft als Verkleidung von Wirtschaftsräumen oder sogar Arbeitsräumen verwendet. Die Kompositionen konnten auf dem einfachen Wechsel von Farben beruhen. Aber Cementine eigneten sich auch für sehr viel raffiniertere dekorative Lösungen mit Blumen und Friesen, vor allem Im Jugendstil (it. Liberty) und im Art Deco-Stil. Aus dieser Tradition heraus verfeinerten und veredelten die Marra-Brüder die Farbkompositionen.

Marra Pavimenti produziert heute in 3. Generation unter Francesco Marra Bodenbeläge und Wandverkleidungen unter Verwendung ausgewählter und veredelter Materialien, die höchste Qualität und Langlebigkeit garantieren. Als Vorlage dienen auch alte spanische, vor allem andalusische Keramik die den modernen Geschmäckern und Erfordernissen angepasst sind. Und hier spielt Hingabe und die Liebe zum Detail nach wie vor die größte Rolle.

Die Werkstatt mit vollständig handwerklicher Produktion befindet sich in Galatina, im Herzen des Salento. Und gerne entwickeln sie individuelle und maßgeschneiderte Anfertigungen, wie uns Francesco versichert!

Marra Pavimenti
info@marrapavimenti.it

Paolo Larusso, Keramik und Terracotta mit einem Augenzwinkern

Der ungemein sympathische und gut gelaunte Künstler aus Altamura studierte an der Akademie der Schönen Künste in Florenz. Hier wurde sein Interesse an Keramik geweckt, das ihn dazu brachte, die plastischen, technischen und ästhetischen Qualitäten von Tonmaterialien, Glasuren und Keramikfarben zu erlernen und zu vertiefen. Zurück in Altamura arbeitete er mit dem Fotostudio von Mario Cresci in Matera zusammen und eröffnete einen Handwerksbetrieb, mit dem Wunsch die Keramikkunst in seiner Stadt wiederzubeleben. Dabei nutzt er auch die sog. Engobe-Technik, bei der in Wasser angerührter Ton mit Farbpartikeln versetzt wird.

Paolo Lorusso © Siegbert Mattheis
© Paolo Lorusso
© Paolo Lorusso
Typisches Motiv © Paolo Lorusso
© Paolo Lorusso

Hierbei geht er von traditionellen Objekten aus und gestaltet sie um, oft mit einem Augenzwinkern. Charakteristisch sind seine Figuren, die nach oben zum Himmel schauen. Denn, wie er lächelnd erzählt, war das die typische Haltung der Menschen in Apulien, um zu sehen, wie das Wetter wird.

1991 gewann er den Preis „Keramik für das 21. Jahrhundert“ der Stadt Capraia e Limite nahe Florenz. Es folgten wichtige Kooperationen mit Architekten, aus denen eine Reihe von Werken und Artefakten hervorgingen, die sowohl in Bezug auf das Design als auch auf die Produktionsqualität von großem Wert sind. Und er legt Wert auf eine „Slow-Keramik“, die langsam und sorgfältig wie früher hergestellt wird, wie er betont.

Leider hat er noch keine Website, aber auf Facebook könnt ihr einige seiner Arbeiten sehen und ihn kontaktieren.

antoniolorusso89@gmail.com

Bottega Arces Ceramiche

Der kleine Ort Grottaglie in der Nähe von Tarent in Apulien hat eine lange Tradition in der Keramikherstellung. Hier befinden sich mehr als fünfzig Werkstätten, die bereits seit dem sechzehnten Jahrhundert in Betrieb sind. Unter ihnen ist der herausragende Familienbetrieb Arces Ceramiche. Geführt wird er heute in 4. Generation von Circo Arces, einem unbestrittenen Meister der Keramikherstellung.

Eligia, Ciro und Giuseppe Arces © Siegbert Mattheis
© Arces Ceramiche
© Arces Ceramiche
© Arces Ceramiche
Pupe Figurinen © Arces Ceramiche

Unter den Produkten findet ihr natürlich die berühmten Pumi und Figuren aus der apulischen Geschichte. Aber daneben auch originelle moderne Kreationen wie Waschbecken in der Form von traditionellen Schüsseln oder griechischen Amphoren nachgeahmt.

Zu den Kunden seines qualitativ hochwertigen Designs zählen inzwischen auch Dolce & Gabbana und mehrere VIPs.

Leider gibt es (noch) keine Webseiten der Firma, aber auf Facebook könnt ihr Ciro Arces bei der Herstellung zusehen.

info@ceramichearces.it

Stefano Monteforte Ceramiche Artistiche

Ebenfalls aus Grottaglie stammt der kleine Familienbetrieb von Stefano Monteforte. Die Firma stellt traditionelles Geschirr, farbenfrohe Pumi, Lampen und viele andere Produkte aus Keramik her, alles einzeln per Hand gefertigt.

Luca, Maria Francesca und Stefano Monteforte © Siegbert Mattheis
Vase © Maria Francesca Monteforte
© Maria Francesca Monteforte
Waschbecken © Maria Francesca Monteforte
Eine Handwärmflasche "libro scaldamani" © Siegbert Mattheis

Darunter sind auch Handwärmflaschen in Form eines Buches „libro scaldamani“ wie im 17. Jh. und einzigartige Vasen. Und außerdem die Figur des legendären „pupe“, einer Skulptur mit den Zügen einer jugendlichen Frau, aber mit dem Gesicht eines bärtigen Mannes. Die Geschichte dazu basiert auf einer mittelalterlichen Liebesgeschichte in Apulien.

1978 gegründet, legt Vater Stefano inzwischen vieles in die Hände seiner Tochter Francesca, die mit ihrem Mann Luca nun voller Begeisterung die Tradition der handgemachten apulischen Keramik weiterführt.

Stefano Monteforte Ceramiche Artistiche
stefanomonteforte@libero.it

Fratelli Colì

Das Familienunternehmen wurde bereits 1650 gegründet und die Leidenschaft für die Kunst der Keramik wurde innerhalb der Familie an jede Generation weitergegeben. Heute ist es unter Leitung von Giuseppe Colì einer der führenden Betriebe in der italienischen Töpferkunst in Majolika und Terrakotta.

Griechische Tradition © Fratelli Colì
Pumo in ungewöhnlicher Form von Fratelli Colì © Siegbert Mattheis
Pumi in unterschiedlichen Varianten © Fratelli Colì

Geschirr für die Küche, Deko-Elemente wie einzigartige Pumi oder Lampen … Qualität, Sorgfalt und Liebe zum Detail kennzeichnen ihre Produkte. Beeinflusst sind die Kreationen von der arabischen, der byzantinischen und normannischen Kultur, die sich in Apulien abwechselten.

Fratelli Colì
antonio.coli@coliweb.com

Nuova Colì

Nuova Colì s.r.l. entstand ebenfalls aus der Familie Colì. Es ist eines der weltweit bekanntesten Unternehmen für die Herstellung und den Vertrieb von Keramik und Terrakotta aus dem Salento.

Pumo von Nuova Colì © Nuova Colì
© Nuova Colì
Der typische apulische Hahn © Nuova Colì
Geschirr mit traditionellem ländlichen Design © Nuova Colì

Majolika, Einrichtungsgegenstände, Töpfe und Geschirr werden auch heute noch nach handwerklichen Techniken hergestellt und inzwischen unterstützt durch modernste technologische Maschinen, die die Verarbeitung und die Qualität weiter verbessern.

Nuova Colì
info@nuovacoli.it

Kunst- und Designermesse Artifex in Bari, Apulien

Innenhalle mit Designobjekten
Designmesse Artifex in der Camera di Commercio in Bari © Artifex

Die Designmesse Artifex wird von der Region Apulien gemeinsam mit der Unioncamere Puglia gefördert. Die Italienische Handelskammer München-Stuttgart ITALCAM hatte uns und weitere deutsche Fachbesucher in Kooperation mit der Region Apulien im Februar 2023 nach Bari eingeladen.

Siegbert Mattheis

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