Colomba di Sens in Bari, Apulien, eine tragische Geschichte

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In einem Sarkophag in der Krypta der Kathedrale von San Sabino in Bari liegt eine junge hübsche Frau in einem Kleid aus besticktem Brokat. Sie wurde nur 16 Jahre alt und lebte von 257 bis 273 n. Chr. Es handelt sich um die heilige Colomba di Sens oder auf Deutsch Kolumba von Sens.

Die Colomba di Sens in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis
Die Colomba di Sens in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis
Die Colomba di Sens im Sarkophag in der Krypta © Siegbert Mattheis
Die Colomba di Sens im Sarkophag in der Krypta © Siegbert Mattheis

Der Legende nach hatte sie sich geweigert, den Sohn des römischen Kaisers Aurelian zu heiraten und ihrem christlichen Glauben abzuschwören.

Kaiser Aurelian war da erst seit 3 Jahren an der Macht und hatte entscheidende , meist äußerst brutal geführte Schlachten gewonnen, um das riesige römische Reich zusammenzuhalten.

Wütend ließ der knapp 60-jährige Kaiser sie in ein Bordell in einem Amphitheater in Sens südöstlich von Paris sperren, in der auch Raubtiere untergebracht waren.

Als sich ein Mann dem jungen Mädchen nähern wollte, wurde er von einer Bärin angegriffen und zerfleischt. Daraufhin befahl der Kaiser, die Jungfrau und auch die Bärin auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

(Eine andere Version der Geschichte erzählt, dass sich das Mädchen in einem nahegelegenen Wald versteckte, in dem es auch Bären gab. Einer der Männer, die nach ihr suchen sollten, wurde von einer Bärin getötet. Aurelian ließ daraufhin den Wald anzünden).

In beiden Versionen jedoch löschte ein starker Regenschauer das Feuer, Colomba wurde gefasst, gefesselt, mit eisernen Haken blutig gerissen und zum Schluss wurde ihr der Kopf abgeschlagen.

So wurde sie zu einer christlichen Märtyrerin. Im Jahr 620 errichtete man über ihrem Grab in Sens eine Basilika, die Abtei Sainte-Colombe. Später wurde Colomba di Sens zur Heiligen erklärt. Ihr Gedenktag ist der 31. Dezember, der als Hochfest in der Kathedrale von Rimini gefeiert wird.

In der Ikonographie wird sie als gekrönte Jungfrau in Ketten dargestellt, die eine Bärin oder manchmal auch einen Hund an der Kette führt. Weitere ikonographische Heiligenattribute sind ein Buch oder eine Pfauenfeder. Zuweilen wird sie von Engeln begleitet dargestellt, mit einer Taube, auf dem Scheiterhaufen oder enthauptet.

Die seit 2005 wieder geöffnete Krypta in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis
Die seit 2005 wieder geöffnete Krypta in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis
Die seit 2005 wieder geöffnete Krypta in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis
Die seit 2005 wieder geöffnete Krypta in der Kathedrale von San Sabino in Bari © Siegbert Mattheis

Was aber hat die Colomba di Sens mit Bari zu tun und wie kam sie hierher?

Anlässlich der Hugenottenkriege, die u.a. 1562 in Sens ihren Anfang hatten, wollte man das Skelett und andere Reliquien in sichere katholische Gebiete bringen. Apulien bot sich dabei an, denn es stand damals unter spanisch-katholischer Herrschaft. So gelangten einige Teile der Gebeine nach Rimini.

Die Abtei Sainte-Colombe in Sens wurde 1792 im Zuge der Französischen Revolution zerstört und die restlichen Reliquien zerstreut.

Papst Pius XI. wollte 1938 alle aufgefundenen Reliquien der Colomba di Sens wieder vereinigen und ließ sie nach Bari in die Krypta der Kathedrale di San Sabino bringen. 2005 wurden die Gebeine aufwändig restauriert, zusammengefügt und mit Pappmaché umwickelt, um der Heiligen wieder ein Gesicht und eine Figur zu geben. Kurz darauf wurde die Krypta erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

Allerdings ergaben Analysen der Knochen keine Hinweise auf eine Abtrennung des Kopfes. So ist man sich nicht ganz sicher, dass sich auch wirklich um das Skelett der Colomba di Sens handelt. Dennoch ist das Mädchen im Sarkophag eine erstaunliche Sehenswürdigkeit in Bari.

Siegbert Mattheis

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