Abbaye du Thoronet in der Provence, warum sich ein Besuch lohnt

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Die Abtei von Thoronet ist das wohl schönste Zisterzienserkloster in der Provence. Sie gilt als das architektonische Juwel unter den sog. „drei provenzalischen Schwestern“, neben den beiden anderen Abteien Silvacane und Sénanque. Die Abtei wurde im Zuge von umfangreichen Restaurierungen wieder weitgehend in ihrem Originalzustand aus dem 12. Jh. zurückversetzt.

Tor und gemauerter runder Wachturm
Der Eingang mutet wie ein kleine Burg an © Siegbert Mattheis
Gebäude mit Ruinen
Ein Teil des Ensembles der Abbaye du Thoronet © Siegbert Mattheis

Warum die Abbaye du Thoronat einen Besuch lohnt:

  • Zweitältestes und wohl schönstes Zisterzienserkloster in der Provence.
  • Eines der besten Ensembles der romanischen Architektur der Provence.
  • Eine einzigartige Akustik in der Kirche, im Sommer finden dort Musikfestivals statt.

Kurzer Überblick über die Abtei Thoronet:

  • 1160 Gründung als Abtei des Zisterzienser-Ordens
  • 1190 Vollendung der wichtigsten Bauten
  • Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Speisesaal fertiggestellt
  • 1789 Säkularisierung der Abtei während der Französischen Revolution
  • 1841 Beginn der Restaurierungen

Worauf Sie besonders achten sollten:

  • Die besondere Akustik in der Kirche
  • Die Schlichtheit des gesamten Ensembles
  • Das Kreuzrippengewölbe, erstes Zeichen der Gotik
  • Die Wirtschaftsräume
  • Das Brunnenhaus
Schlichtes hohes Tonnengewölbe
In der Kirche ohne schmückende Elemente herrscht eine besondere Akustik © Siegbert Mattheis

Die besondere Akustik in der Kirche

Wenn Sie das Kirchenschiff der Abtei betreten, fällt Ihnen sicher sofort auf, dass die Kirche eine einmalige Akustik hat. Nicht zuletzt aus diesem Grund finden dort vor allem im Sommer wunderbare Konzerte statt, die keineswegs immer nur geistliche Musik bieten. Es lohnt sich, sich vor einem Besuch darüber zu informieren. Wechselnde Kunstausstellungen finden ebenfalls im Kloster statt.

Das Kirchengebäude besitzt im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen kein Hauptportal, lediglich zwei kleine Eingänge rechts und links. Denn es war nie für die Öffentlichkeit bestimmt. Durch die eine Tür gingen die Mönche, die andere war für die Laienbrüder vorgesehen. Wie in allen Zisterzienserklöstern waren nicht nur in der Abteikirche, sondern auch im sonstigen Leben die Bereiche der Mönche und der Laienbrüder voneinander getrennt. Laienbrüder waren mit den manuellen Arbeiten beauftragt und hatten kein Stimmrecht im Kapitel.

Das Kircheninnere ohne Schmuck
Nichts lenkt hier ab © Claudia Mattheis
Arkadengang mit Tonnengewölbe
Der Arkadengang © Siegbert Mattheis
Blick aus dem Arkadengang in den Garten
Blick aus dem Arkadengang in den Garten © Siegbert Mattheis
Bildnis Maria und Jesus
Einfache Holzskulptur in der Kirche © Claudia Mattheis

Die Schlichtheit des gesamten Ensembles

In der Architektur ist die Abtei aber nicht nur wegen ihrer Akustik berühmt. Der Architekt Le Corbusier besuchte Thoronet 1953 und schrieb einen Artikel über seinen Besuch, in dem er unter anderem feststellte: „Licht und Schatten sind die Lautsprecher dieser Architektur der Wahrheit.“ Denn die ganz besondere Schlichtheit der Bauten, ein Merkmal der Zisterzienser und der Romanik, bringt die zisterziensischen Vorstellungen einer schmucklosen, geradezu asketischen Architektur deutlich zum Ausdruck. Auch die meisten anderen Räumlichkeiten sind bewusst einfach gehalten, damit nichts die Mönche von ihren Gebeten und stillen Einkehr ablenken konnte. Außergewöhnlich jedoch ist der Turm, denn zur Betonung der Schlichtheit wird bei Zisterzienserkirchen in der Regel darauf verzichtet. Die meisten anderen Abteikirchen haben lediglich einen kleinen Dachreiter.

Die Abtei vom Hof aus gesehen mit Blick auf den Turm
Abtei Thoronet mit ungewöhnlichem Turm © Siegbert Mattheis
Schmales Fenster wie eine Schießscharte
Fenster hinter dem Altar © Claudia Mattheis
Brunnen in einer Außenwand
Dieser Brunnen, das einzige dekorative Element der Abtei, wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt, als der Abt die Regeln lockerte © Siegbert Mattheis

Kreuzrippengewölbe, erste Zeichen der Gotik

Die zisterziensischen Ideale wurden jedoch im Laufe der Zeit aufgeweicht. Das erkennt man u. a. daran, dass bei Umbauten Elemente der Gotik wie Kreuzrippengewölbe im Kapitelsaal und Verzierungen sowie ein dekorativer Brunnen Einzug hielten. Denn in allen anderen Gebäudeteilen der Abtei finden sich ausschließlich Tonnengewölbe. Im Kapitelsaal fanden sich die Mönche jeden Morgen ein, um ein Kapitel aus der Regel des Hl. Benedikt zu hören und wichtige Anliegen zu besprechen. Als einziger Raum ist er bereits von der Gotik beeinflusst. Die Spitzbögen ruhen auf zwei zentralen Säulen, deren zweireihige Kapitelle mit Pinienzapfen, Palmen und einer einen Bischofsstab haltenden Hand geschmückt sind. Die untersten Rippensteine sind in einer aufwendigen Technik aus einem Block geschlagen.

Hinter dem Kapitelsaal findet sich ein einfacher Durchgang zum Garten. Er diente als Parlarium – neben dem Kapitelsaal der einzige Raum, in dem die Mönche miteinander sprechen durften. Unmittelbar nördlich angrenzend führte eine Treppe hinauf zum Dormitorium. Unter jeder Fensteröffnung schlief ein Mönch; die Schlafplätze werden noch heute durch Steinplatten angezeigt.

Kreuzrippengewoelbe und Säulen mit Blattwerk verziert
Gotischer Einfluss zeigt sich mit dem Kreuzrippengewölbe und den Verzierungen der Säulen © Siegbert Mattheis
Rote Lichtleiter lehnt an einer Wand
Kunstinstallation im ehemaligen Dormitorium © Claudia Mattheis

Die Wirtschaftsräume, Wein und Olivenöl

An einer großen alten Olivenölpresse und den Weinbottichen in den Wirtschaftsräumen erkennt man die wichtigsten Einnahmequellen des Klosters in dessen Blütezeit. Extra Lüftungsschächte im Tonnengewölbe der Vorratskammer sorgten dafür, dass sich die giftigen Alkoholdämpfe nicht ansammelten.

Alte Olivenölpresse mit Auffangbecken im Boden
Olivenölpresse mit Auffangbecken im Boden © Siegbert Mattheis
Alte Weinpresse vor Wand
Weinpresse © Siegbert Mattheis
Wand mit vergittertem Fenster
Zweckmäßiger Wirtschaftsraum © Claudia Mattheis

Das Brunnenhaus

Das Brunnenhaus, aus dem die Mönche ihr Trink- und Waschwasser bezogen, befindet sich gegenüber der Tür des Refektoriums in einem sechseckigen Pavillon mit Kuppel. In der Mitte findet sich eine Schale mit 16 Öffnungen, aus denen das Wasser in das größere, untere Becken fließt. In der dem Brunnenhaus gegenüber liegenden Wand sind noch die Zugänge zu Speisesaal, Küche und Wärmeraum zu erkennen, die sich leider nur in ihren Fundamenten erhalten haben.

Überdachter Brunnen mit runder Schale und 16 Wasserhähnen
Der Brunnen, an dem sich die Mönche vor dem Gottesdienst wuschen © Claudia Mattheis

Wer waren die Zisterzienser?

Der Benediktinerorden war der erste Mönchsorden der westlichen Christenheit. Die 910 gegründete Abtei in Cluny im Burgund war zeitweise das größte Gotteshaus des Christentums. Ursprünglich war er der reinen Lehre, der Schlichtheit und dem Spruch „Ora et labora et lege“ („Bete und arbeite und lese“) verpflichtet. Aber der Orden gelangte schnell durch seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und großzügige Schenkungen reicher Adliger zu erheblichem Wohlstand und Reichtum. Dementsprechend entwickelte sich ein laxerer Lebensstil der Mönche und auch die Bauten wurden immer prächtiger.

Einem der Mönche aus Burgund, Robert de Molesme, war das zuwider und er beschloss, zur ursprünglichen, strengen Regel des Heiligen Benedikt (die gegen 534 verfasst wurde) zurückzukehren. Diese schrieb Demut, Gehorsamkeit und Armut vor, aber auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen körperlicher Arbeit und geistiger Beschäftigung. So gründete er im Jahr 1098 das Kloster in Citeaux nahe Dijon. Das gab somit dem neuen Orden seinen Namen ordre cistercien, Orden der Zisterzienser.
Hier entsagte man der Rede, dem Wein und auch dem Fleisch. Die Mönche kleideten sich im Gegensatz zu den schwarzen Kutten der Benediktiner mit einem weißen Untergewand und einem schwarzen Skapulier, das übergeworfen wurde. Fortan nannte man sie dementsprechend „weiße Mönche“. Die Idee griff schnell um sich und es entstanden weitere Zisterzienserklöster.

Die Geschichte der Abbaye du Thoronet

Die 1119 gegründete Abtei Mazan in der Ardèche war eine davon. 1136 verließ eine Gruppe von Mönchen diese Abtei in Richtung Provence, um ein neues Kloster zu gründen.
Anfangs lassen sie sich in Tourtour nieder und errichteten das Kloster Notre-Dame-de-Florièges. Aber nur 15 Jahre später verließen die Mönche aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen die dortigen provisorischen Gebäude. Sie ließen sich etwa 20 km entfernt am heutigen Standort in der Nähe von Lorgues in einem abgelegenen, waldreichen Tal mit einem kleinen Fluss und einer Quelle nieder. 1160 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen und nur 15 Jahre später waren die wichtigsten Gebäude fertiggestellt. 1190 konnten die letzten Arbeiten beendet werden.
Diese für damalige Verhältnisse extrem kurze Bauzeit erklärt auch den einheitlichen architektonischen Stil. Zu Beginn des 13. Jh. beherbergte das Kloster an die zwanzig Mönche und einige Dutzend Laienbrüder.

Wie viel Zisterzienser-Klöster erhielt auch die Abtei Thoronet damals aus politischem oder religiösem Kalkül finanzielle Zuwendungen oder wurde mit Land beschenkt. Die Abtei wuchs und gedieh prächtig. Anfang des 15. Jahrhunderts konnten die Brüder sogar noch ein großes neues Refektorium, einen Speisesaal errichten lassen. Auch einige Umbauten und Ausschmückungen, wie etwa eine Stuckverzierung für den Kirchenraum, wurden hinzugefügt.

Niedergang und Restaurierung

Aber nur knapp zwei Jahrhunderte später begann der Niedergang der Abtei. Denn mit den Pest-Epidemien und den großen Umwälzungen in Europa versiegte das Interesse an dem Orden. Er verlor nach und nach an Bedeutung und das hatte gravierende Folgen für die Gebäude, die zunehmend verfielen. 1660 wies der Prior der Abtei auf den besorgniserregenden Zustand und die Erforderlichkeit einer Restaurierung hin. Knapp 30 Jahre später wurden Risse und Einbrüche der Dächer sowie morsche Türen und Fenster gemeldet. Im Jahre 1790 wohnten demzufolge nur noch sieben ältere Mönche in der Abtei. Und im Zuge der französischen Revolution 9 Jahre später wurden alle Klöster geschlossen und die verbliebenen Mönche mussten die Abbaye du Thoronet verlassen.

Als die Abtei vom endgültigen Verfall bedroht ist, rettet sie Prosper Mérimée, indem er Révoil, einen Architekten von historischen Denkmälern, auf sie aufmerksam macht. Die Restaurierung begann 1841 und hat seitdem nie mehr aufgehört. Ab 1854 kaufte der französische Staat die Stätte auf.

Dabei wurde alles daran gesetzt, die Bauten wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Umbauten und jegliche Dekorationen wurden entfernt.

So entstand das, was heute als architektonisches Juwel des späten romanischen Stils mit deutlichen Verweisen auf die nachfolgende Gotik gilt.

Praktische Tipps, Öffnungszeiten, Eintrittspreise

Während der Hochsaison vom 1. April bis zum 30. September ist die Abbaye du Thoronet jeden Tag von 10.00 bis 18.30 Uhr geöffnet. In der Nebensaison gibt es verkürzte Öffnungszeiten sowie eine Mittagspause. Der letzte Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Schließung. Der Eintrittspreis liegt derzeit bei 8 Euro für Erwachsene, die ermäßigten Preise betragen 6,50 Euro. Vor dem Eingang zur Abtei liegt direkt an der Straße ein Parkplatz mit einem kleinen Kiosk und Tischen.

Aktuelle Infos auch auf der Tourismusseite Provence-Alpes-Côte d’Azur

Siegbert Mattheis

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