Arganöl: was macht das goldene Öl aus Marokko so besonders?

5/5 (18)
(Lesezeit nur 6 Min. 😉 )

Arganöl, was ist dran an diesem Öl aus Marokko? Wie schmeckt es und wozu ist es noch gut? Warum ist die Herstellung so aufwändig und was haben Ziegen eigentlich damit zu tun?

Mehrere Ziegen stehen unter einem belaubten Baum, wobei einige Ziegen auf die unteren Äste klettern und stehen.
Arganbäume gibt es nur in Marokko © Siegbert Mattheis

Was ist Arganöl und warum ist es so besonders?

Arganöl wird aus den Samen der Arganfrucht gewonnen. Der Arganbaum wächst ausschließlich im Südwesten Marokkos. Es gibt ihn irgendwo sonst auf der Welt.

Das Öl wird traditionell in Handarbeit hergestellt, meist von Frauenkooperativen. Es gilt als eines der wertvollsten Öle der Welt, sowohl wegen seiner aufwändigen Herstellung als auch wegen seiner Inhaltsstoffe.

Arganöl für Salate, Haar- und Hautpflege

Wir haben den einzigartigen Geschmack dieses Öls vor einigen Jahren entdeckt und lieben gelernt und verwenden es seitdem gerne für Salate oder zum Dippen und inzwischen aber auch für die Haar- und Hautpflege.

Eine kleine Schale mit Arganöl neben einer Flasche mit kulinarischem Arganöl und einer Schüssel mit Salat auf einer Holzfläche.
Geröstetes Arganöl hat eine goldgelbe Farbe © Siegbert Mattheis
Eine Flasche Bionoble Bio-Arganöl neben der Verpackung, die die Zertifizierungen für Bio- und Naturprodukte hervorhebt.
Kosmetisches Bio-Arganöl von Bionoble © Bionoble

Bei unserem letzten Besuch in Marokko wollten wir mehr über dieses einzigartige Öl herausfinden.

Besuch bei einer Frauenkooperative

So besuchten wir die von einem gutem Marokko-Reiseführer empfohlene Kooperative Assaisse Ouzika, etwa 25 km südlich von Essaouira. Dort wurden wir ausgesprochen freundlich von Laila empfangen, die diese Frauenkooperative leitet. Sie weihte uns in die Geheimnisse der Arganöl-Produktion ein und hat uns viele Fragen beantwortet – und natürlich auch die zu den Ziegen. Das findet ihr weiter unten.

Woher stammt Arganöl?

Arganöl stammt aus Marokko, denn nur dort (und im südöstlichen Algerien) wachsen die einzigartigen Arganbäume, aus dessen Früchte das Arganöl gewonnen wird. Der Arganbaum mit kurzem Stamm und großer, buschiger Krone soll bereits seit 80 Mio. Jahren in dieser Gegend beheimatet sein und kann bis zu 450 Jahre alt werden. Aufgrund seiner Einzigartigkeit wurden die jahrhundertealten Kenntnisse und Praktiken zur Nutzung des Baumes und seiner Früchte im November 2014 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Alle Versuche, den Baum in anderen Ländern zu kultivieren, schlugen bisher fehl.

Ziegen stehen in einer trockenen Landschaft auf einem Baum, zwei Person stehen darunter
Ziegen auf den Arganbäumen © Siegbert Mattheis

Wie schmeckt das marokkanische Öl?

Das Öl schmeckt fein nussig, wie eine Mischung aus Sesam, Erd- und Haselnüssen mit einer ganz zarten Note von Röstaromen. Durch den intensiven Geschmack reichen oft nur wenige Tropfen, z.B. für einen Salat. Farblich tendiert das Öl zwischen gelb und orange.

Was ist Argan?

Der Arganbaum produziert etwa 2 bis 4 cm große Beeren mit einer dicken, harten und bitter schmeckenden, lederartigen Schale. Am Anfang sind die Beeren grün, wechseln dann ähnlich wie Oliven ihre Farbe in eine gelbliche bis orange oder rötlich-braune Tönung. Diese Beeren enthalten eiförmige harte Steinkerne, die Nüsse, in denen wiederum ein flacher Samenkern enthalten ist. Erst aus diesen Samenkernen gewinnt man schlussendlich das Arganöl.

Ein geflochtener Korb gefüllt mit grünen und braunen Nüssen und Samen, gehalten von einer Person in einem weißen Hemd und einem braunen Schal.
Die Früchte des Arganbaums in unterschiedlichen Reifegraden © Siegbert Mattheis
Nahaufnahme einer Hand, die drei Mandelkerne hält, im Hintergrund ein geflochtener Korb mit mandelförmigen Nüssen.
Eine aufgeschlagene Nuss mit dem Samenkern © Siegbert Mattheis

Wie wird Arganöl hergestellt?

Die wichtigsten Stufen der ziemlich aufwändigen Herstellung konnten wir in der Kooperative selbst beobachten. Über den Rest klärte uns Laila auf.

  1. Wenn die Arganbeeren reif und trocken sind, fallen sie vom Baum. Anders als bei der Olivenernte können sie wegen der Dornen und dichten Zweige nur sehr schwer vom Baum heruntergeschlagen bzw. -geschüttelt werden. Das würde den Baum auch schädigen. Daher können dir Beeren nur mühsam von Hand aufgelesen werden.
  2. Nach der Ernte wird zunächst das trockene Fruchtfleisch von den Kernen entfernt.
  3. Anschließend muss deren harte Schale geknackt werden. Die Frauen in der Kooperative schlagen jede einzelne Nuss geschickt mit einem Stein auf. (Das ist echt nicht einfach, ich hatte es auch versucht und mir dabei mehrfach auf die Finger gehauen 😉 )
  4. Für das Speiseöl werden die Samenkerne zusätzlich geröstet, für kosmetische Zwecke werden sie pur verwendet.
  5. Anschließend werden sie in einer Steinmühle gemahlen. Daraus entsteht ein zähflüssiger Kuchenbrei.
  6. Dieser Brei wiederum wird unter Zugabe von etwas lauwarmem Wasser so lange geknetet, bis sich schlussendlich das reine, klare Öl absondert.
  7. Die Reste der Kuchen werden an die Ziegen verfüttert. Sehr nachhaltig.
Zwei Frauen mit Kopftüchern sitzen und sortieren Nüsse in blaue Eimer.
In mühevoller Arbeit schlagen die Berberfrauen die Samenkerne aus den Nüssen © Siegbert Mattheis
Mann knackt Nüsse, sitzt auf dem Boden, um ihn herum Eimer voller Nüsse, trägt eine Sonnenbrille und ist leger gekleidet.
Mein Versuch, die Nüsse mit einem Stein aufzuschlagen © Claudia Mattheis
Frau, die mit einer traditionellen Steinmühle eine braune Paste herstellt, im Hintergrund ein gemusterter Boden.
Die Steinmühle ergibt einen zähflüssigen Brei © Siegbert Mattheis
Eine Frau steht neben einem Steinofen, in dem eine Pfanne mit Körnern geröstet wird
In einem Ofen werden die Samenkerne für das Speiseöl zusätzlich geröstet © Siegbert Mattheis
Junge Frau in einem weißen Mantel und orangefarbenem Schal hält einen runden, braunen Kuchen in einem Raum mit kariertem Boden.
Laila mit dem Kuchenbrei, aus dem das Öl zum Schluss geknetet wird © Siegbert Mattheis
Zwei geflochtene Körbe: einer enthält braune und beigefarbene Scheiben, der andere kleine dunkelbraune Samen, die auf bunten Fliesen liegen.
Kuchenbrei neben Arganfrüchten © Siegbert Mattheis

Wofür verwendet man Arganöl?

Arganöl ist vielseitig verwendbar. Es wird sowohl in der Gastronomie als auch in der Kosmetik und Haarpflege verwendet.

Arganöl in der Küche

Arganöl ist wirklich zu schade zum Braten. Bei längerem Erhitzen verliert es auch seine wertvollen bioaktiven Inhaltsstoffe. Daher gehört das Öl ganz zum Schluss über die Speisen. Besonders lecker ist es über:

  • Couscous
  • Gegrilltes Gemüse
  • Salate
  • Frischkäse oder Joghurt
  • Auch zum Verfeinern von Süßspeisen eignet es sich, z. B. in Kombination mit Honig oder Mandeln (Amlou)

Mehr über marokkanische Spezialitäten

Eine Flasche Arganöl mit einem kleinen Schälchen und einer Schüssel Salat mit Tomaten und Oliven auf einem Schneidebrett.
Arganöl passt mit seinem nussigen Geschmack wunderbar zu Salaten © Siegbert Mattheis
Ein Teller mit kreisförmig angeordneten Orangenscheiben, die mit Minzblättern belegt und mit Chilipulver bestreut sind.
Ein paar Tropfen Arganöl und etwas Zimt, himmlisch ... © Siegbert Mattheis

Arganöl in der Kosmetik

Darüber hinaus findet Arganöl Verwendung in vielen Kosmetika, wie z.B. in Seifen, Hautcremes, Shampoo, Lotions und vielem anderen.

Ordentlich angeordnete Kartons mit Ozeka-Produkten, die unterschiedliche Verpackungsdesigns und Etiketten aufweisen.
Arganöl-Seifen mit unterschiedlichen Zusätzen wie Zitrone oder Safran © Siegbert Mattheis
Ein geflochtener Korb, gefüllt mit Argan-Nüssen, im Hintergrund ein Flyer mit Wellness-Angeboten.
Arganöl wird auch als Massageöl in Marokko verwendet © Siegbert Mattheis
Hörnchen mit brauenem Aufstrich, dahinter Glas mit Aufschrift "Amlou"
Amlou als Aufstrich oder Dip © Siegbert Mattheis

Wie gesund ist Arganöl?

Arganöl ist in Marokko seit Jahrhunderten als Heilmittel für Hautkrankheiten und bei Rheuma bekannt. Zudem soll es Schmerzen lindern.

Studien belegen, dass Arganöl positive Wirkungen auf Herz-Kreislauf-Gesundheit und somit eine Rolle als natürliches Heilmittel spielen kann. Es kann den Cholesterinspiegel senken, die Hautelastizität verbessern und die Regeneration von Haut und Haar unterstützen. Weitere Studien deuten darüber hinaus auf krebshemmende Eigenschaften und eine positive Wirkung bei Hautproblemen wie Akne und Ekzemen hin. Die ungesättigten Fettsäuren stärken die Darmschleimhaut und machen sie widerstandsfähiger und unempfindlicher gegen Erkrankungen.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Was kostet ein Liter Arganöl?

Die Preise für einen Liter echtes Arganöl liegen etwa zwischen 80 und 140 Euro. In der Kooperative Assaisse Ouzika haben wir 28 Euro für eine Flasche mit 250 ml bezahlt.

Warum ist Arganöl so teuer?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Ernte ist auf eine einzige Region in Marokko begrenzt
  • Die Verarbeitung in Handarbeit ist sehr mühsam und aufwendig. Für 1 Liter Öl muss eine geübte Arbeiterin etwa 12 Stunden arbeiten.
  • Für 1 Liter Öl braucht man etwa 30 kg Früchte, das ist etwa die Ausbeute von einem Baum.

Wie erkennt man Fälschungen oder gestrecktes Arganöl?

Seriöse Kooperativen erkennt man an den Zertifikaten, die in den Verkaufs- und Herstellungsräumen hängen bzw. online zu finden sind.

Einige Produzenten versuchen, eine höhere Gewinnmarge zu erzielen, indem sie Arganöl mit billigem Olivenöl mischen. Achtet also auf folgende Punkte:

  • Herkunftsangabe: Idealerweise Marokko, möglichst aus Kooperativen
  • Bio-Zertifikat
  • Kein zu heller oder neutraler Geruch
  • Keine Zusatzstoffe

Bei sehr günstigen Preisen ist Skepsis angebracht. Oft wurde hier stark gefiltert oder gestreckt. Da bleibt vom ursprünglichen Aroma nichts übrig.

Warum wird das Öl vorwiegend in Kooperativen hergestellt?

Als Ende der 1990er Jahre die Nachfrage nach Arganöl anstieg und die Kosmetikindustrie das Öl für sich entdeckte, begannen Großkonzerne damit, die Ernte aufzukaufen und im Ausland zu Dumpingpreisen zu verarbeiten. So blieb kaum etwas für die Kooperativen übrig, die erst wenige Jahre zuvor entstanden waren.

Der marokkanische Staat reagierte darauf, indem er nur noch einen kleinen Teil der Ernte für den Verkauf ins Ausland gestattete. Seitdem wird wieder ein Großteil der Arganprodukte in Frauenkooperativen verarbeitet, viele davon Eco-zertifiziert. Diese bieten vor allem Frauen ein eigenständiges Einkommen, einige unterrichteten auch in Lesen und Schreiben.

Welche Marken beziehen ihr Arganöl von Frauenkooperativen in Marokko?

Einige Marken arbeiten mit solchen Frauenkooperativen zusammen, z. B. Argandor

Argandor Arganöl bei amazon ansehen *

Darüber hinaus gibt es viele zertifizierte Bio-Arganöle *

Eine schwarz-weiße Ziege steht auf einem Ast, umgeben von grünen Blättern vor einem klaren blauen Himmel.
Ziegen lieben die Arganbeeren © Siegbert Mattheis
Ziegen klettern unter einem klaren blauen Himmel in einer trockenen, felsigen Landschaft auf einen Arganbaum.
Durch die niedrighängenden Äste können Ziegen leicht auf die Bäume klettern © Siegbert Mattheis

Was haben Ziegen mit dem Arganöl zu tun?

In Marokko nennt man die Arganbäume auch Ziegenbäume. Denn die Früchte des Baums sind bei Ziegen und auch Dromedaren heiß begehrt. Durch den kurzen Stamm und die niedrig hängenden Äste der Bäume ist es für Ziegen ein Leichtes, bis in die höchsten Wipfel zu klettern.

Mehrere Ziegen klettern auf einen Baum, während Menschen in einer ländlichen Landschaft unter einem bewölkten Himmel darunter sitzen.
Hier stellen die Bauern für die Ziegen extra Podeste her © Siegbert Mattheis

Das wird von den Bauern auch nicht verhindert, manche stellen sogar extra hölzerne Podeste für die Ziegen bereit. Denn das Fruchtfleisch ist für die Gewinnung des Öls ja nicht relevant, dazu braucht man nur die Samenkerne. Und die scheiden die Ziegen nach dem Verzehr aus. Zwar muss man dann die Nüsse aus dem getrockneten Ziegenkot waschen und gründlich reinigen, aber das umständliche Entfernen des Fruchtfleisches entfällt so.

Laila meinte allerdings mit einem Augenzwinkern auf meine Frage diesbezüglich, dass das allerdings inzwischen kaum mehr gemacht werde, „weil es so stinkt …“ 😉

Arganöl ist ein wahres Multitalent

Ob als feines Öl in der Küche oder als Pflege- und Heilmittel, Arganöl ist vielseitig, gesund und ein echter Teil urmarokkanischer Kultur. Gönnt euch eine Flasche in guter Qualität und probiert es zum Essen, für die Haut oder für die Haare!

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Dezember 2025 von Siegbert Mattheis

War dieser Beitrag hilfreich? Hat er euch gefallen?