Vincent van Gogh und die Deutschen, eine ganz besondere Beziehung. Das macht die große Ausstellung MAKING VAN GOGH in Frankfurt deutlich. Sie ist noch bis zum 16. Februar 2020 zu sehen und heißt im Untertitel “Geschichte einer deutschen Liebe”. Das mutet ungewöhnlich an, hat aber seinen guten Grund.
Denn deutsche Galeristen und Ausstellungsmacher hatten bereits 10 Jahre nach dem Tode von Vincent van Gogh (1890) begonnen, dessen Werke einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Zu einer Zeit, als van Gogh international bestenfalls als Geheimtipp galt, von vielen jedoch als Stümper angesehen war. Und obwohl damals das deutsche Kaiserreich wenig von modernistischen Strömungen wissen wollte, sondern eher auf deutsche Maler im traditionellen, akademischen Malstil setzte.
Johanna van Gogh-Bonger verbreitete die Werke von van Gogh
Die Witwe seines Bruders, Johanna van Gogh-Bonger hatte die Werke von Vincent van Gogh geerbt und gleichzeitig die Aufgabe, den letzten Willen ihres Mannes Theo van Gogh, der seinen Bruder bis zuletzt finanziell unterstützte, zu erfüllen: Vincent van Goghs Kunst “zu zeigen” und “bewundern zu lassen”. Ihrem unermüdlichem Eifer ist es zu verdanken, dass sich der Name in den Kunstkreisen Europas zu verbreiten begann, indem sie zahlreiche Werke für Ausstellungen zur Verfügung stellte. Ohne allerdings viel davon verkaufen zu können.
Die Berliner Galerie von Paul Cassirer war die erste deutsche Adresse für die Gemälde
So wurde auch der Berliner Galerist Paul Cassirer auf den Maler aufmerksam und beschloss 1901, ihn auch in Deutschland bekannt zu machen. Seine Galerie war bis 1914 die erste Adresse in Deutschland, um Bilder des Künstlers zu sehen und zu kaufen. Dadurch wurde der niederländische Künstler hierzulande allmählich als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Kunst, als “Vater der Moderne” wahrgenommen. Van Goghs Leben und Schaffen stießen anschließend in der deutschen Öffentlichkeit auf breites und anhaltendes Interesse. Nicht zuletzt die Umstände seines Todes und die Geschichte vom verkannten und verarmten Künstler, der als sich “tragischer Held” und leidender, von der Gesellschaft unverstandener Maler für die Kunst aufopferte, inspirierte eine Reihe von Kunstschaffenden und prägt auch heute noch unser Bild von Künstlern.
Van Gogh in Südfrankreich
Ein Großteil der heute weltberühmten Gemälde und Zeichnungen entstanden in den knapp zweieinhalb Jahren in Südfrankreich, in und um Arles, in Saintes-Maries-de-la-Mer und in Saint-Rémy-de-Provence. In dieses kleine Städtchen hatte er sich selbst in eine dort ansässige private Nervenheilanstalt einweisen lassen. In Südfrankreich entstanden Werke wie Zwölf Sonnenblumen in einer Vase, Caféterrasse am Abend, Sternennacht, Die Brücke von Langlois in Arles mit Wäscherinnen, Bauernhof in der Provence sowie viele seiner Selbstportraits.
Die letzten Monate verbrachte er im etwa 30 km von Paris entfernten
Auvers-sur-Oise, wo er noch einmal rund 80 Gemälde und 60 Zeichnungen bis zu seinem tragischen Tod schuf.
Mythos van Gogh in drei Kapiteln
In drei großen Kapiteln erzählt die Ausstellung im Städel Museum nun von der Entstehung und Wirkung des „Mythos van Gogh“ in Deutschland. Denn die Erfolgsgeschichte van Goghs ist auch eng mit dem Städel verbunden. Als eines der ersten Museen erwarb das Frankfurter Museum für den Aufbau einer modernen Kunstsammlung durch den Städelschen Museums-Verein 1908 das Gemälde Bauernhaus in Nuenen (1885) und die Zeichnung Kartoffelpflanzerin (1885). Drei Jahre später gelangte eines der berühmtesten Gemälde van Goghs in das Museum, das Bildnis des Dr. Gachet (1890).
Van Gogh als Schlüsselfigur der deutschen Avantgarde
Die Ausstellung thematisiert die besondere Rolle, die Galeristen, Museen Privatsammler und Kunstkritiker im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts für die posthume Rezeption von Vincent van Gogh als „Vater der Moderne“ spielten. Sie zeigt van Gogh als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Das Städel vereint dabei mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier. Den Kern bilden 50 zentrale Werke von Vincent van Gogh aus allen Schaffensphasen. Zu sehen sind herausragende Leihgaben aus Privatsammlungen und führenden Museen weltweit. Weiterhin veranschaulichen 70 Werke von deutschen Künstlerinnen und Künstlern den Einfluss und die Wirkung van Goghs auf die nachfolgende Generation. Darunter befinden sich sowohl bekannte Namen wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter als auch wiederzuentdeckende Künstler wie etwa Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen, Heinrich Nauen oder Elsa Tischner-von Durant.
Die Ausstellung wird von der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung und dem Städelschen Museums-Verein e.V. gefördert.
Siegbert Mattheis
MAKING VAN GOGH
GESCHICHTE EINER DEUTSCHEN LIEBE
23. OKTOBER 2019 BIS 16. FEBRUAR 2020
#MAKINGVANGOGH
Öffnungszeiten:
Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–19.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr Sonderöffnungszeiten:
Aktuelle Informationen zu besonderen Öffnungszeiten etwa an Weihnachten und Neujahr unter www.staedelmuseum.de
Tickets und Eintritt:
Tickets online buchen unter shop.staedelmuseum.de, um Wartezeiten zu vermeiden. Sa, So + Feiertage 18 Euro, ermäßigt 16 Euro, Di – Fr 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 30 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: 14 Euro pro Person, Wochenende 16 Euro. Für alle Gruppen ist generell eine Anmeldung unter Telefon +49-(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Abend-Spezial:
Von Di – Mi, ab 17 Uhr sowie Do – Fr, ab 19 Uhr gilt ein reduzierter Eintrittspreis von 14 Euro. Feiertage sind ausgenommen. Gültig vom 23.10.2019 bis einschließlich 31. Januar 2020. Erhältlich online unter shop.staedelmuseum.de und an der Museumskasse
Überblicksführungen vom 10.12. bis einschließlich 16.2.2020:
Di 12, 13, 15 Uhr und 16 Uhr / Mi 12, 13, 15 und 16 Uhr / Do 13, 15, 16 und 19 Uhr / Fr 13, 15 und 16 Uhr / Sa 12, 13, 15 und 16 Uhr / So 12, 13, 15 und 16 Uhr.
Tickets für die Überblicksführungen sind ausschließlich im Vorverkauf im Online-Shop unter shop.staedelmuseum.de oder in begrenzter Anzahl an der Museumskasse (bis einen Tag vor Besuchstermin) erhältlich. Aktuelle Informationen zu den Überblicksführungen und besonderen Angeboten an den Feiertagen und zu Sonderöffnungszeiten unter www.staedelmuseum.de