Messapier, das fast vergessene Volk in Apulien

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Die Messapier waren eines der bedeutendsten antiken Völker Süditaliens und prägten die Geschichte Apuliens über Jahrhunderte. Heute sind die Messapier nahezu vergessen.

Wer waren die Messapier?

Die Messapier bildeten zusammen mit den Dauniern im Norden und den Peuketiern rund um Bari die drei großen Volksgruppen des antiken Apuliens. Ihre Siedlungsgebiete entsprechen in etwa den heutigen Grenzen der Region.

Eine Gruppe von Menschen nähert sich beleuchteten Höhlen, die in einen felsigen Abhang gehauen sind und zu deren Eingang Wege führen.
Modellzeichnung von Messapiern in der Bronzezeit (Museum Egnazia) © Siegbert Mattheis

Herkunft und Einwanderung

Nach den Aufzeichnungen des griechischen Historikers Herodot sollen die Messapier von den Kretern abstammen. Historische Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Volksgruppen im 11. Jahrhundert v. Chr. aus Illyrien, dem heutigen Balkan, nach Apulien einwanderten.

Die Bedeutung ihres Namens „Messapien” leitet sich vermutlich von ihrer geografischen Lage ab: Sie lebten buchstäblich zwischen zwei Meeren: der Adria im Osten und dem Ionischen Meer im Westen.

Messapische Städte und Kultur

Nach ihrer Ankunft vermischten sich die Messapier mit der ansässigen Bevölkerung und gründeten bedeutende Städte, die teilweise bis heute existieren:

  • Brundisium (heute Brindisi)
  • Rudiae (heute Lecce)
  • Hodrum (heute Otranto)
  • Gnatia (Ausgrabungsstätte Egnazia)

Diese messapischen Städte waren politisch unabhängig voneinander, unterhielten aber regen Handel untereinander und mit anderen Regionen der Magna Graecia, den von Griechen kolonisierten Gebieten Süditaliens.

Die berühmten Gnatia-Vasen

Eine der bekanntesten Hinterlassenschaften der Messapier ist ihre kunstvolle Keramikmalerei. Die Verzierungen bestanden vorwiegend aus geometrischen Mustern, die auf Vasen oder kultischen Objekten aufgetragen wurden.

Besonders berühmt sind die sogenannten Trozzella-Vasen; kultische Gefäße mit charakteristischen Henkeln, die im 4. Jahrhundert v. Chr. hergestellt wurden. Viele dieser Keramikvasen wurden in Gnatia (Egnazia) gefunden und sind heute als Gnatia-Vasen bekannt.

Antike Vase mit Henkeln und grafischen Verzierungen
Eine messapische, kulitsche Trozzella-Vase aus dem 4. Jhdt. v. Chr. im Museum Egnazia © Siegbert Mattheis

Wo kann man messapische Keramik sehen?

Eindrucksvolle messapische Keramikstücke könnt ihr an folgenden Orten bewundern:

Antike Tonskulptur von fünf Personen, die um einen rechteckigen Tisch versammelt sind und möglicherweise eine Mahlzeit teilen.
Terrakottafiguren der Messapier im Museum in Egnazia © Siegbert Mattheis
Ein Haufen Silbermünzen, die auf einem hellgrauen, strukturierten Stoff verstreut sind.
Antike Münzen © Siegbert Mattheis
Alte Steinruinen unter einem teilweise bewölkten Himmel, mit Gras und entfernten Gebäuden im Hintergrund.
Ausgrabungsstätte Egnazia © Siegbert Mattheis

Die messapische Schrift: Ein Ursprung unserer Buchstaben

Die Messapier entwickelten eine eigene Schriftsprache, die vieles aus dem Griechischen übernahm – ähnlich wie die Etrusker. Diese antiken Schriftsysteme bilden den Ursprung unserer heutigen lateinischen Schrift, denn die Römer übernahmen zahlreiche Gebräuche und Traditionen dieser Kulturen.

Aktueller Forschungsstand

Die messapische Schrift ist noch nicht abschließend erforscht, da bisher nur eine begrenzte Anzahl von Inschriften ausgegraben wurde. Archäologen entdecken jedoch kontinuierlich neue Schriftfunde, die unser Verständnis dieser antiken Kultur erweitern.

Bei den gefundenen Inschriften zeigen sich teilweise unterschiedliche Zeichen für denselben Buchstaben, was die Entzifferung erschwert. Wissenschaftler arbeiten daran, ein vollständiges messapisches Alphabet zu rekonstruieren.

Messapisch schreiben: Eine interaktive Erfahrung

Ihr möchtet selbst etwas in messapischer Schrift schreiben? Auf unserer Webseite findet ihr ein interaktives Tool, mit dem ihr Texte in „Antik-Apulisch” verfassen könnt – eine faszinierende Möglichkeit, diese antike Kultur hautnah zu erleben.

bild mit messapischer Schrift
Messapisch schreiben © Siegbert Mattheis

Die Verbindung zur Magna Graecia

Die Messapier waren ein integraler Bestandteil der Magna Graecia, auch wenn sie selbst keine Griechen waren. Ihre Handelsbeziehungen mit griechischen Kolonien, die Übernahme griechischer Schriftzeichen und kultureller Praktiken zeigen, wie vernetzt die antike Mittelmeerwelt bereits war.

Diese kulturelle Durchmischung machte Apulien zu einem Schmelztiegel verschiedener Zivilisationen. Ein Erbe, das die Region bis heute prägt.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu den Messapiern

Wer waren die Messapier?

Die Messapier waren ein antikes Volk, das im heutigen Salento (Südapulien) lebte. Sie wanderten vermutlich im 11. Jahrhundert v. Chr. aus Illyrien ein und prägten die Region über Jahrhunderte.

Woher kommt der Name Messapier?

Der Name „Messapien” bedeutet „zwischen den Meeren” und bezieht sich auf die geografische Lage zwischen der Adria und dem Ionischen Meer.

Welche Städte gründeten die Messapier?

Die Messapier gründeten wichtige Städte wie Brundisium (Brindisi), Rudiae (Lecce), Hodrum (Otranto) und Gnatia (Egnazia) die teilweise bis heute existieren.

Was sind Gnatia-Vasen?

Gnatia-Vasen sind messapische Keramikgefäße mit charakteristischen geometrischen Verzierungen, die vor allem in der antiken Stadt Gnatia (Egnazia) gefunden wurden.

Was ist eine Trozzella?

Eine Trozzella ist ein kultisches messapisches Keramikgefäß mit charakteristischen Henkeln, das für religiöse Zwecke verwendet wurde. Die schönsten Exemplare stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Hatten die Messapier eine eigene Schrift?

Ja, die Messapier entwickelten eine eigene Schriftsprache, die stark vom Griechischen beeinflusst war. Diese Schrift ist ein Vorläufer unserer heutigen lateinischen Schrift.

Wo kann ich messapische Funde sehen?

Bedeutende messapische Artefakte könnt ihr im Museum von Egnazia (direkt an der Ausgrabungsstätte) und im Archäologischen Nationalmuseum in Tarent besichtigen.

Sind die Messapier mit den Griechen verwandt?

Der griechische Historiker Herodot vermutete eine Abstammung von den Kretern. Moderne Forschungen gehen aber davon aus, dass die Messapier aus Illyrien (Balkan) einwanderten.

Was ist die Magna Graecia?

Die Magna Graecia („Großgriechenland”) bezeichnet die von Griechen kolonisierten Regionen Süditaliens. Die Messapier standen in regem Handel und Austausch mit diesen griechischen Siedlungen.

Gibt es noch Spuren der Messapier heute?

Ja, viele heutige Städte Apuliens wurden von den Messapiern gegründet. Außerdem könnt ihr messapische Artefakte in verschiedenen Museen bewundern und die Ausgrabungsstätten besuchen.

Wie unterschieden sich die Messapier von den Dauniern und Peuketiern?

Die drei Völker hatten ähnliche Ursprünge und Kulturen, unterschieden sich aber in ihrer geografischen Lage: Die Daunier lebten im Norden Apuliens, die Peuketier rund um Bari und die Messapier im Süden (Salento).

Kann ich die messapische Schrift lernen?

Die messapische Schrift ist noch nicht vollständig entschlüsselt. Auf unserer Webseite findet ihr jedoch ein interaktives Tool, mit dem ihr euren Namen oder kurze Texte in messapischen Schriftzeichen schreiben könnt.

Dieser Artikel basiert auf gründlicher Recherche vor Ort, historischer Quellen und aktueller archäologischer Erkenntnisse.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Februar 2026 von Siegbert Mattheis

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