Unsere frühen Vorfahren hatten dunkle Haut – und was das mit Vitamin D zu tun hat

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Neue wissenschaftliche Rekonstruktionen zeigen, wie die ersten modernen Menschen ausgesehen haben könnten. Vieles davon widerspricht unseren gängigen Vorstellungen vom hellhäutigen, dummen und primitv aussehenden Steinzeitmenschen.

Denn in den letzten Jahren kristallisieren sich durch neueste aDNA-Forschungen ganz andere, erstaunliche und überraschende Erkenntnisse auf unsere Vorfahren heraus.

Nachfolgend ein kurzer Überblick über die neuesten Erkenntnisse:

Ein lächelnder dunkelhäutiger Mann mit krausen schwarzen Haaren im Freien bei Sonnenuntergang
Sah so unser Urahn aus? © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Wo und wann entstand der moderne Mensch?

Nach heutigem Forschungsstand geht die gesamte, heutige Menschheit auf Populationen zurück, die vor rund 300.000 Jahren in Afrika lebten. Diese frühen Homo-sapiens-Menschen hatten eine dunkle Haut. Diese Sicht wird durch Fossilienfunde, genetische Analysen und evolutionsbiologische Modelle gestützt.

Zu den wichtigsten Fundorten zählen

  • Jebel Irhoud, Marokko (ca. 300.000 Jahre)
    Fossilien, die 2017 neu datiert wurden und das Bild vom Ursprung des Homo sapiens deutlich erweitert haben.
  • Omo Kibish, Äthiopien (ca. 195.000 Jahre)
    Lange Zeit die ältesten bekannten Fossilien moderner Menschen.
  • Herto, Äthiopien (ca. 160.000 Jahre)
    Gut erhaltene Schädel, die einer frühen Form des Homo sapiens zugerechnet werden.
Ein Mann in primitiver Kleidung hält einen Speer und steht im Freien, während im Hintergrund ein Feuer brennt.
So könnte Homo sapiens vor 300.000 Jahren ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung
Eine dunkelhäutige Frau mit lockigem Haar und Fell-Kleidung steht im Freien in einer natürlichen, rauen Landschaft.
So könnte eine Frau aus der Familie aus Jebel Irhoud ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Skelett einer Familie in Marokko

Gerade der Fund und die weiteren Ausgrabungen in Jebel Irhoud förderten Erstaunliches zu Tage. Denn dort wurde zwar bereits 1960 ein Schädel gefunden, aber auf nur 40.000 Jahre alt datiert worden. Denn mit den damaligen Datierungsmethoden war keine Datierung über einen größeren Zeitraum möglich.

2017 wurde neue Grabungen und Datierungen vorgenommen. Unter Leitung der Paläoanthropologen Jean-Jacques Hublet (Professor am Max-Planck-Institut in Leipzig und Abdelouahed Ben-Ncer (Professor der Paläoanthropologie am INSAP in Rabat) wurden weitere Skelette gefunden, die vermutlich eine Familie waren.

Im aDNA-Labor konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass die Funde vom Homo Sapiens stammen und über 300.000 Jahre alt sind.

Die sehenswerte Dokumentation darüber könnt ihr in der arte-Mediathek ansehen  (noch bis 23. Juni 2026)

Wie sahen die ersten Menschen aus?

Frühe Homo sapiens hatten viele Merkmale, die uns heute vertraut sind, denn sie sahen uns schon sehr ähnlich:

  • dunkle Haut
  • krauses bis lockiges Haar
  • relativ modernes Gesicht, teils robuster ausgeprägt
  • kräftiger, beweglicher Körperbau

Auch das Gehirnvolumen war bereits vergleichbar mit dem heutiger Menschen, wenn auch die Form teilweise etwas anders war.

Siehe auch “Waren die Steinzeitmenschen dümmer als wir? in der arte Mediathek (noch bis 19. September 2028)

Was ist die „Mitochondriale Eva“?

Die „Mitochondriale Eva“ bezeichnet die jüngste gemeinsame Vorfahrin, quasi die “Urmutter” aller heute lebenden Menschen in der mütterlichen Linie.

Sie lebte wahrscheinlich vor etwa 100.000 bis 200.000 Jahren in Afrika. Da sie in einer Region mit hoher UV-Strahlung lebte, gilt dunkle Haut als sehr wahrscheinlich.

Das heißt natürlich nicht, dass sie die einzige Frau ihrer Zeit war, sondern diejenige, deren genetische Linie bis heute erhalten geblieben ist.

Lächelnde Frau mit lockigem Haar und Ohrringen im Freien in warmem, goldenem Sonnenlicht.
So könnte die Mythochondriale Eva, die Urmutter aller heute lebenden Menschen ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Woher weiß man, dass frühe Menschen dunkelhäutig waren?

Die Evidenz stammt aus mehreren Forschungsbereichen:

  • Genomforschung
    Vergleiche moderner DNA zeigen, dass dunkle Haut genetisch der ursprüngliche Zustand ist. Varianten für hellere Haut entstanden sehr viel später.
  • Genetik der Pigmentierung
    Gene wie MC1R, SLC24A5 und SLC45A2 beeinflussen die Hautfarbe. Varianten, die zu hellerer Haut führen, sind evolutionär relativ jung.
  • Paläogenetik
    Analysen alter DNA (aDNA) zeigen, dass auch frühe europäische Populationen noch vor wenigen tausend Jahren dunklere Haut hatten als lange angenommen worden war.

Dunkle Haut, blaue Augen

Ein bekanntes Beispiel ist das sogenannte „Cheddar-Man“-Skelett aus Großbritannien (ca. 10.000 Jahre).

Das Ergebnis der neuen Genanalyse fassten die Forscher so zusammen: „Wir schließen daraus, dass der Cheddar-Mann höchstwahrscheinlich blaue oder grüne Augen, dunkelbraunes oder schwarzes Haar und dunkle bis schwarze Haut hatte.“

“Ötzi” hatte dunklere Haut

Auch beim knapp 5.000 Jahre jüngeren Ötzi, der 1991 im Gletschereis der Alpen gefunden wurde, hatte man sich in der Hautfarbe geirrt. Denn neue aDNA-Analysen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass Ötzi eine deutlich dunklere Hautfarbe hatte als bisher angenommen.

Nahaufnahme einer realistischen Museumsrekonstruktion eines antiken Menschen mit langen Haaren und ausdrucksstarken Gesichtszügen.
Cheddar Man-Rekonstruktion im Natural History Museum in London © Wikipedia
Ein wettergegerbter Mann mit Bart, der Pelzkleidung trägt, steht im Freien in einer verschneiten, felsigen Umgebung.
Ötzi-Rekonstruktion © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Stammen wirklich alle Menschen aus Afrika?

Ja. Alle heute lebenden Menschen haben ihren Ursprung in afrikanischen Populationen.

Die sogenannte Out-of-Africa-Hypothese beschreibt, dass sich Homo sapiens in Afrika entwickelte und sich von dort in mehreren Wellen über die Welt ausbreitete.

Die wichtigste Ausbreitungsphase fand wahrscheinlich vor etwa 60.000 bis 70.000 Jahren statt.

Diese Theorie gilt heute als der am besten belegte Erklärungsrahmen für die globale Verbreitung des modernen Menschen.

Genetische Studien zeigen zudem, dass sich Homo sapiens außerhalb Afrikas mit anderen Homininen wie Neandertalern und Denisovanern vermischte.

Ein kleiner Teil (etwa 2 %) dieses Erbes ist bis heute im Genom vieler Menschen nachweisbar, so Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Ein älterer Mann mit dunkler Haut, grauen Haaren und Bart lächelt im Freien im Sonnenlicht, vor einem unscharfen natürlichen Hintergrund.
Dunkle Haut ist der evolutionäre Ausgangspunkt © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Warum entwickelten sich hellere Hauttypen?

Als sich Menschen in Regionen mit geringerer Sonneneinstrahlung ausbreiteten, änderten sich die Selektionsbedingungen. Hellere Haut war eine Mutation, die erst dann vorteilhaft war, als die Gruppen in Gebiete mit geringerer Sonneneinstrahlung vordrangen und so angepasst überlebten.

Denn bei wenig UV-Strahlung kann der Körper weniger Vitamin D produzieren. Das jedoch ist essenziell für gesunde Knochen, Muskelkraft und das Immunsystem, da es die Kalziumaufnahme fördert. Hellere Haut lässt mehr UVB-Strahlen durch und unterstützt so die Vitamin-D-Synthese.

In Europa und Ostasien entstanden dabei unabhängig voneinander genetische Varianten, die zu hellerer Haut führten. Ein Beispiel für konvergente Evolution.

Ein Raster aus verschiedenen Gesichtern, die jeweils einem anderen Pantone-Hautton zugeordnet sind, mit Beschriftungen darunter.
Die brasilianische Künstlerin Angélica Dass zeigt die Schönheit der menschlichen Hautfarben in ihrem beeindrucken Fotoprojekt Humanae, bei der sie die unterschiedlichen Farben in wertfreie Pantonefarben benannte © Angélica Dass, Foto: Siegbert Mattheis

Fazit: Ist Hautfarbe also überhaupt von Bedeutung?

Nein. Hautfarbe ist biologisch gesehen eine im wahrsten Sinne des Wortes oberflächliche Eigenschaft, die durch eine kleine Anzahl genetischer Varianten beeinflusst wird, die weniger als 0,01 % des gesamten menschlichen Genoms ausmachen.

Und die hauptsächlich durch Vitamin D bestimmt wurde.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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