Die kreolische Tracht: Symbol karibischer Identität und weiblicher Selbstbestimmung

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Vom demütigenden Sklavenkleid zum stolzen Symbol karibischer Weiblichkeit: Die kreolische Tracht der französischen Antillen ist weit mehr als ein folkloristisches Kostüm. Sie erzählt eine bewegende Geschichte von Widerstand, Emanzipation und kultureller Selbstbehauptung.

Frau mit goldenen Ohrringen und bunten blauen und orangefarbenen Kopfbedeckungen, lächelt sanft im Freien.
Kreolische Tracht: stolzes Symbol karibischer Weiblichkeit © Siegbert Mattheis
Schaufensterpuppe in einem gelb, rot und orange karierten Kleid mit weißer Spitze, mit Blick zur Seite.
Typisches Madras-Karo © Siegbert Mattheis

Bei unserem letzten Besuch auf Martinique fielen uns die vielen Stoffe mit Karomuster auf, die man überall sah. Das seien Madras-Karos, erklärte uns Sandra von Tété Dwèt, als sie uns durch Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique, führte. Sie seien ein integraler Bestandteil der kreolischen Tracht.

Bunter Marktstand mit karierten Stoffpuppen, Teddybären, Figuren und Kleidern im karibischen Stil.
Madras-Karos auf dem Markt in Fort-de-France © Siegbert Mattheis

Von der Sklaverei zur Selbstbestimmung

Die Geschichte der kreolischen Tracht begann im 17. Jahrhundert mit den ersten Zuckerrohrplantagen und der Sklaverei auf Guadeloupe und Martinique. Zu dieser Zeit arbeiteten Sklavinnen nackt oder trugen lediglich ein grobes Stück Stoff um den Unterleib.

Eine Gruppe von Menschen, viele sitzend oder geduckt, versammelt sich unter Bäumen; einige Figuren stehen oder reiten auf einem Pferd.
Sklavenmarkt in Zanzibar. Frauen wurden größtenteils nackt in die Sklaverei verschifft (Enthologisches Museum, Martinique) © Foto: Siegbert Mattheis

“Trois-Trous”, das Demütigungskleid

Die Kirche und die europäischen Kolonialherrinnen sahen die halbnackten Sklavinnen mit unterschiedlichen Augen. Während die Kirche Anstoß an der Nacktheit nahm und Kleidung forderte, empfanden die Ehefrauen der Gutsherren die schönen, jungen Sklavinnen als Rivalinnen um die Aufmerksamkeit ihrer Männer.

Der Code Noir von 1685, der die Regeln für versklavte Menschen festlegte, verlangte lediglich, dass diese irgendeine Bekleidung erhielten. So führte man ein primitives Kleidungsstück aus grober Baumwolle mit drei Öffnungen für je Kopf und Arme ein.

Dieses „robe à trois trous“ (dt. “Kleid mit drei Löchern”) erfüllte exakt dieses Minimum. Nicht mehr.

Eigene Kleider bedeuteten Autonomie

Doch was als Demütigung gedacht war, wurde paradoxerweise zum ersten Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Sobald die Sklavinnen überhaupt Kleidung tragen durften, gewannen sie ein Stück Autonomie. Durch eigene Gemüsegärten konnten sie sich ein Zubrot verdienen und bessere Kleidung kaufen. So begannen sie, die Kleider ihrer Herrinnen zu imitieren. Zwar aus einfacheren Stoffen und ohne wertvolle Spitze, aber sie ähnelten den europäischen Vorbildern.

Gaule Creole aus Musselin

Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die modische Identität der kreolischen Frauen rasant weiter. Freigelassene Sklavinnen trugen zunehmend raffiniertere Kleidung aus kostbaren Stoffen, um mit den weißen Kolonialherrinnen zu konkurrieren und sich von den noch versklavten Frauen abzuheben.

Diese Kleiderform, die sogenannte Gaule Creole, bestand aus einem weißen, luftigen Musselin-Etuikleid. Diese wiederum beeinflusste als “robe à la creole” die Mode im französischen Mutterland.

Durch den Skandal um ein Gemälde, das die Königin Marie Antoinette in einem, später als “chemise à la reine” bezeichneten Kleid zeigt, wurde die kreolische Mode zum Vorbild für die gesamte europäische Mode.

Mehr darüber, wie die kreolische Tracht die europäische Mode veränderte

Eine Frau in einem gerüschten weißen Kleid und Hut hält Blumen und ein blaues Band und steht neben einer Vase.
Marie Antoinette in ihrer "chemise à la reine", Gemälde von 1783 von Élisabeth Louise Vigée Le Brun © Wikipedia
Eine Frau mit lockigem Haar in einem weißen Kleid sitzt vor einem schlichten Hintergrund und schaut direkt nach vorne.
"Jeune femme à l’eventail", Alexandre Prévost 1873 (Ethnologisches Museum Martinique) © Foto: Siegbert Mattheis

Kreolische Eleganz trifft auf koloniale Eifersucht

Die Töchter ehemaliger Sklavinnen besuchten oft dieselben Schulen wie die Kinder der Herrinnen und genossen die gleiche Bildung. Sie waren meist schlanker und gebildeter als ihre Mütter, trugen elegante Hüte und wirkten selbstbewusst.

Diese Entwicklung beunruhigte die weißen Kolonialherrinnen zutiefst. So führten sie Vorschriften ein, die farbigen Frauen und Kreolinnen das Tragen von Hüten ausdrücklich verboten.

Eine Verordnung von 1720 in den französischen Kolonien erlaubte Folgendes:

“Sklavinnen, die als Diener oder Dienstmädchen arbeiten […], dürfen sich mit Stoffen aus Vitré oder Morlaix oder alten Kleidern ihrer Herren kleiden, mit Halsketten und Ohrringen Silber […], mit Turbanen und einfachen brasilianischen Tüchern, ohne Vergoldungen oder Spitzen, ohne Goldschmuck, Edelsteine, Seide oder Bänder“.

(Quelle: Wikipedia Tignon frz. )

Wie das Madras-Karo zum Freiheitssymbol wurde

Doch die kämpferischen kreolischen Frauen fanden einen kreativen Weg, dieses Verbot zu umgehen. Das Madras-Karo, ein bunter karierter Baumwollstoff aus Südindien, war im 17. Jahrhundert über die französische Ostindien-Kompagnie in die Karibik gelangt.

Da Hüte nun verboten waren, trugen die freien farbigen Frauen das Madras-Tuch auf dem Kopf; elegant gebunden, farbenfroh und selbstbewusst. Das Madras-Karo wurde so zu einem festen Bestandteil der traditionellen kreolischen Tracht und zum Symbol des Widerstands.

Geheimcode im Kopftuch

Eine besonders faszinierende Tradition entwickelte sich rund um die Art, wie das Madras-Kopftuch „Tête mawé“ gebunden wurde. Die Anzahl der sichtbaren Spitzen (Pitons) signalisierte den Beziehungsstatus der Trägerin. (Mehr darüber könnt ihr weiter unten nachlesen).

Tignon und Babouche

Die Kleidung dieser Frauen wurde dank ihrer flexiblen und bequemen Formen nach und nach auch von den Kreolinnen europäischer Abstammung übernommen. Insbesondere die Kopfbedeckung des geknüpften Madras, die kunstvoll als Turban (tignon) gebunden und zum Teil mit großen Hüten (bambouche) gekrönt wurden.

Eine junge Frau mit einem bunten Kopfschmuck und Ohrringen lächelt sanft und steht an einer türkisfarbenen Wand.
© Siegbert Mattheis
Eine Frau mit einem gelben Kopftuch und goldenen Ohrringen blickt ruhig in die Kamera im Freien.
Tête mawé, das typische Madras-Kopftuch © Siegbert Mattheis
Eine Gruppe von Männern und Frauen in der Kleidung des 18. Jahrhunderts steht im Freien, in der Nähe Bäume, Wolken und kleine Hunde.
"Freie Frauen mit ihren Kindern und Dienern" Agostino Brunias, 1764 (Brooklyn Museum) © Wikipedia
Drei Personen in karibischer Kleidung aus dem 18. Jahrhundert stehen im Freien in der Nähe von Palmen und sprechen miteinander.
Elegante freie westindische Kreolinnen 1780, Agostino Brunias © Wikipedia
Drei Frauen in bunten, gestreiften Kleidern unterhalten sich auf einer sonnenbeschienenen Straße; eine trägt einen Korb auf dem Kopf.
"A West Indian Flower Girl and Two other Free Women of Color", Agostino Brunias 1769 (Yale Center for British Art) © Wikipedia
Eine schwarze Frau mit weißem Kopftuch sitzt da und blickt nach vorne; sie ist in ein weißes Tuch gehüllt und hat eine Schulter frei.
"Portrait de Madeleine" Marie-Guillemine Benoist, 1800 (Louvre) © Wikipedia
Auf einer alten Sepia-Fotografie stehen zwei Frauen in traditioneller Kleidung und mit Schmuck nebeneinander und schauen in die Kamera.
Kreolische Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts in Fort-de-France, Martinique (Ethnologisches Museum) © Foto: Siegbert Mattheis

Napoleon und Joséphine

Diese Art der Kopfbedeckung breitete sich wiederum über den Hafen Bordeaux schnell auch nach Paris aus. Napoleons Frau und spätere Kaiserin Joséphine de Beauharnais, die aus Martinique stammte, “… liebte es, sich morgens ihre Haare mit einem roten Madras zu binden”, erzählte Napoleons Diener Louis Constant. Napoleon selbst trug privat ebenfalls gerne ein Madras-Kopftuch.

Napoleon in kreolischer Tracht steht neben einem sitzenden Offizier, der an einem Schreibtisch schreibt, mit Blick auf ein Panoramafenster.
"Napoléon diktiert seine Memoiren mit Madras-Tuch", Charles Auguste Steuben 1820 (Musée Napoléon de l'île d'Aix) © Wikipedia
Eine Frau mit rotem Kopftuch und weißer Bluse blickt vor einem dunklen Hintergrund über ihre Schulter.
"Kreolin mit rotem Tignon", Jacques Aman 1840 (Historic New Orleans Collection) © Wikipedia

Kreative Blütezeit nach der Abschaffung der Sklaverei

Mit der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 fielen die kolonialen Kleidervorschriften weg. Die kreolischen Frauen ließen ihrer Kreativität endlich freien Lauf. So entwickelte sich die Tracht zu einem prächtigen Festtagsgewand mit mehrlagigen Röcken, Spitze, aufwändigen Stickereien in Gold und Braun sowie reichhaltigem Schmuck.

Vom Zeichen der Fesselung zum stolzen Schmuckstück

Denn auch der Schmuck trägt tiefe symbolische Bedeutung. Die traditionelle Kette symbolisiert die erlittene Versklavung. Nicht, um sie zu vergessen, sondern um daran zu erinnern, dass sie überwunden ist. Eine Frau auf Guadeloupe sagte: “Wenn ich meinen Schmuck und meine Kette trage, fühle ich mich als Frau von Guadeloupe. Und darauf bin ich stolz.”

Unser Begriff der Kreolen, der runden, großen Ohrringe leitet sich aus diesem Schmuck ab.

Eine geschäftige Marktszene aus dem 19. Jahrhundert mit Menschen, die in der Nähe von Hügeln, Gebäuden und Palmen mit Waren handeln.
© Siegbert Mattheis

Die Tracht im 20. Jahrhundert: Zwischen Folklorismus und Widerstand

Mitte des 20. Jahrhunderts geriet die kreolische Tracht in eine Krise. Als die Inseln 1946 zu französischen Départements wurden, verlor sie ihre Bedeutung als Emanzipationssymbol. Sie wurde zunehmend als altmodisch betrachtet und nur noch als folkloristisches Zerrbild der Antillen wahrgenommen. Antikoloniale Bewegungen verteufelten sie sogar als Relikt der Kolonialzeit.

Doch die Tracht überlebte dank des starken Willens der Frauen, die erkannten, welche kulturelle Bedeutung in ihr steckt. Sie zeigt die Arbeit der Vorfahren, die aus dem demütigenden “Trois-Trous” ein prächtiges, vorzeigbares Kleidungsstück gemacht hatten.

“Wenn wir die Tracht nicht mehr haben, verlieren wir auch unsere Seele”, meinte eine ältere Frau.

Vom gelebten Zeichen zum bewussten Symbol

Diese bewusste kulturelle Deutung gab der kreolischen Mode auch die Autorin und Feminstin Suzanne Césaire aus Martinique. Sie legte dafür das intellektuelle Fundament, indem sie koloniale Zuschreibungen von Kultur, Körper und Identität radikal infrage stellte und eine selbstbewusste kreolische Ästhetik einforderte.

Zeitgenössische Akteurinnen wie Edith Bellot (Resident Tutorin in Dominica) knüpfen daran an, indem sie das Madras-Kopftuch ausdrücklich als Zeichen weiblicher Würde, Erinnerung und kultureller Selbstbehauptung tragen.

In einem anderen Kontext nutzen heute Künstlerinnen wie die mit dem Grammy Award ausgezeichnete Sängerin Jill Scott oder die Soul- und HipHop-Sängerin Erykah Badu den Headwrap als modernes, afrodiasporisches Symbol weiblicher Autonomie und spiritueller Selbstdefinition. Die Verbindung zur Karibik liegt nicht in einer historischen Linie, sondern in einer gemeinsamen Strategie der Aneignung: Ein ehemals reguliertes Zeichen wird bewusst gewählt und damit politisch aufgeladen.

Siehe auch den Wikipedia-Eintrag

Lächelnde Frau in traditioneller Kleidung hält eine Blume an einem Baum, mit Bergen im Hintergrund.
Edith Bellot 1961 © Wikipedia
Eine Person in schwarzem Anzug und Hut mit dramatischem Augen-Make-up hält dunkle Federn und schaut in die Ferne.
Erykah Badu 2011 © Wikipedia

Junge Designer:innen erfinden die Tracht neu

In den letzten Jahrzehnten erlebt nun die kreolische Tracht eine Renaissance. Junge Modeschöpferinnen wie Doudou Diez nehmen die originale Tracht als Basis und interpretieren sie zeitgemäß neu:

  • Leichtere Stoffe für besseren Tragekomfort im tropischen Klima
  • Kürzere Schnitte für mehr Bewegungsfreiheit
  • Stoffmischungen aus Tradition und Moderne
  • Träger und moderne Details für alltagstauglichere Versionen
  • Tragbarer und alltagstauglicher, ohne die historische Bedeutung zu verlieren

Diese modernen Interpretationen spiegeln wider, wie die heutigen karibischen Frauen sind: unabhängig, selbstbewusst, sowohl in ihrer Kleidung als auch im Beruf. Die Tracht ist zu einem authentischen Ausdruck von Freiheit geworden.

Frau in weißem Neckholder-Top und Rock, die am Strand steht, mit Meer und Palmen im Hintergrund.
Kreolische Mode, Design Dody © Siegbert Mattheis
Frau im weißen Kleid mit buntem Kragen und orangefarbener Kopfbedeckung, die an einem Baum in einer üppigen, grünen Umgebung steht.
Magdalena in kreolischem Designkleid und tignon © Anthony Jean-Marie

FAQ, weitere häufig gestellte Fragen

Was bedeutet “Kreolisch” und “Kreolen”?

Das Wort Kreolisch leitet sich vom lateinischen creare ab, was “erzeugen” oder “erschaffen” bedeutet. Es scheint zuerst von den Portugiesen in der Form crioulo verwendet worden zu sein. Es bezeichnete eine versklavte Person, die in der Neuen Welt geboren wurde (im Gegensatz zu einer in Afrika geborenen).

Später wandelte sich der Begriff und benannte alle Menschen, egal ob europäischer oder afrikanischer Herkunft, die in der “Neuen Welt” geboren wurden, als Kreolen. Der Begriff beschränkte sich somit nicht nur auf die Sklav:innen.

Woher stammt die kreolische Tracht?

Die kreolische Tracht entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert auf den französischen Antillen, besonders Guadeloupe und Martinique. Sie entstand aus der Verschmelzung afrikanischer, europäischer und indischer Einflüsse unter den Bedingungen der Kolonialzeit und Sklaverei.

Wie sieht die kreolische Festtagstracht aus?

Die traditionelle kreolische Festtagstracht besteht aus mehreren charakteristischen Elementen:

Das Kleid:

  • Das Trois-Trou-Robe (TTR) oder Wickelkleid ist der Klassiker, traditionell mit Rundhalsausschnitt und leicht taillierter Taille
  • Jupe, der mehrlagige, weite Rock
  • Chemise, die Bluse, oft mit aufwendigen Rüschen und Spitze

Die Kopfbedeckung:

  • Das Madras-Kopftuch (auch Tête mawé oder “Tèt Maré” genannt), kunstvoll gebunden.  Die Kunst der Bindetechnik und das Einwickeln der Haare in den Turban nennt man hingegen Maré Tèt”, wie uns Magdalena erzählt, die seit 11 Jahren auf der Insel lebt. Ihre Freundin Emmanuelle Soundjata ist Stylistin und gibt Workshops für Frauen, in denen man lernt, wie man das Kopftuch bindet.

Zur Facebookseite von Emmanuelle Soundjata

Accessoires:

  • Goldbraune Stickereien auf dem Stoff
  • Spitzen an Ärmeln und Saum
  • Goldschmuck: Halsketten, Creolen, Broschen
  • Filigrane Verzierungen aus Goldfiligran
Eine Frau in farbenfroher traditioneller Kleidung und Kopfbedeckung steht am Wasser und trägt mehrlagige Perlenketten.
Magdalena in Neuinterpretation kreolischer Mode © Anthony Jean-Marie
Lächelnde Frau in buntem Kopfschmuck und kariertem Kleid am Strand mit blauem Meer und Palme im Hintergrund.
Moderne Kreationen © Claude Chabo

Was bedeuten die Spitzen im Kopftuch?

Nach traditioneller Überlieferung signalisierte die Anzahl der sichtbaren Spitzen den Beziehungsstatus:

  • Eine Spitze: Ich bin Single
  • Zwei Spitzen: Ich habe einen Freund
  • Drei Spitzen: Ich bin verheiratet
  • Vier Spitzen: Ich bin offen für neue Bekanntschaften (trotz Beziehung)

Die letzte Variante ist allerdings wohl erst in den letzten Jahren hinzugekommen, laut der Website Caribbean Embassy 😉 . Aber auch die französische Wikipediaseite listet die 4. Variante mit der Erklärung “ein Herz, das noch Liebende aufnehmen kann” …

Welche Einflüsse hat die kreolische Mode?

Die kreolische Tracht vereint auf einzigartige Weise verschiedene kulturelle Einflüsse:

  • Afrikanische Elemente: Farben, Muster und Bindetechniken
  • Europäische Mode: Schnittformen und Spitzen aus der Kolonialzeit
  • Indische Textilkunst: Der Madras-Stoff aus Chennai (ehemals Madras)
  • Karibische Kreativität: Die eigenständige Weiterentwicklung zu etwas Neuem

Diese soziokulturelle Mischung macht die kreolische Tracht zu einem authentischen Symbol karibischer Identität. Sie steht für die Würde der Frauen, ihren Kampf um Anerkennung und ihre Resilienz. Die kreolische Frau will mit ihrem Äußeren Präsenz zeigen. In der Kirche im Sonntagsstaat ebenso wie bei kulturellen Festen und Feierlichkeiten.

Wird die kreolische Tracht heute noch getragen?

Ja, die Tracht wird vor allem zu Festtagen, kulturellen Veranstaltungen, Hochzeiten und bei Tanzaufführungen getragen. Junge Designerinnen schaffen zudem moderne Interpretationen für den Alltag.

Auch wenn die kreolische Tracht kein Alltagskleidungsstück mehr ist, hat sie ihren festen Platz im kulturellen Leben der französischen Antillen:

  • Kirchenbesuche: Besonders an Sonntagen und zu Festtagen
  • Kulturelle Festivals: Karneval, Fête Patronale, Fête des Cuisinières
  • Hochzeiten und Familienfeste: In traditioneller oder moderner Interpretation
  • Tanzaufführungen: Bei traditionellen Bèlè- und Gwoka-Tänzen
  • Touristische Präsentationen: Als authentische kulturelle Darstellung
  • Nationalfeiertage: Als Symbol der karibischen Identität

Die jüngere Generation entdeckt die Tracht neu als Ausdruck von kulturellem Stolz und Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln. In der karibischen Diaspora weltweit wird sie bei kulturellen Veranstaltungen getragen, um die Verbindung zur Heimat zu bewahren.

Was bedeutet “Trois-Trous”?

“Trois-Trous” (drei Löcher) war das primitive erste Kleidungsstück für Sklavinnen: ein Stück Stoff mit drei Öffnungen für Kopf und Arme. Es wurde zum Ausgangspunkt der späteren kreolischen Tracht.

Woher kommt der Madras-Stoff?

Der Madras-Stoff stammt ursprünglich aus Südindien, aus der Region um Chennai (früher Madras). Er gelangte im 17. Jahrhundert durch die französische Ostindien-Kompagnie in die Karibik und wurde zum Markenzeichen der kreolischen Tracht.

Siehe auch die spannende Geschichte der Indiennes-Stoffe

Kreolische Mode: ein Symbol der Emanzipation

Vom groben Sklavengewand zum stolzen Symbol karibischer Weiblichkeit: die Entwicklung dieser einzigartigen Tracht spiegelt die komplexe Geschichte von Guadeloupe, Martinique und den anderen Inseln der Karibik wider.

Sie erzählt vom Leid der Sklaverei, vom Kampf um Würde und Selbstbestimmung, von kultureller Vermischung und kreativer Aneignung. Aus einem Instrument der Unterdrückung schufen mutige Frauen ein farbenfrohes Symbol weiblicher Emanzipation und karibischer Identität.

Generell haben wir die Kreolinnen auf den französischen Antillen als sehr selbstbewusst erlebt. Eine Frau, die auf der Straße angemacht wird, müsse nur die Hand heben – und sofort würde der Verkehr stillstehen und alle zu Hilfe eilen, erzählte uns Victor Bérénice, der auf Martinique geboren und in Deutschland aufgewachsen ist.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Januar 2026 von Siegbert Mattheis

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