Pisa Geheimtipps, abseits vom Schiefen Turm

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Pisa ist natürlich weltberühmt für seinen Schiefen Turm, aber die Stadt hat noch so viel mehr zu bieten! Neben den bekannten und beeindruckenden Bauwerken gibt es wunderschöne versteckte Ecken, die viele Tourist:innen übersehen.

Hier erfahrt ihr, welche Sehenswürdigkeiten ihr auf keinen Fall verpassen solltet und welche Geheimtipps euch das authentische Pisa zeigen.

An einem sonnigen Tag versammeln sich Touristen am Eingang des säulenbekränzten Turms von Pisa.
Eingang zum Schiefen Turm von Pisa © Siegbert Mattheis
Bunte Gebäude säumen einen Fluss unter blauem Himmel, im Hintergrund sind Wolken und ferne Berge zu sehen.
Das Ufer des Arno © Siegbert Mattheis

Lohnt sich Pisa für mehrere Tage?

Auf jeden Fall. Die meisten kommen nur nach Pisa für den berühmten Torre Pendente (den schiefen Turm, den man allerdings schon einmal im Leben gesehen haben sollte ;).

Schnell das obligatorische Insta-Foto vom Rasen auf der Piazza dei Miracoli aus gemacht, bei dem man den Turm scheinbar vor dem Umfallen bewahrt, vielleicht noch etwas in den überteuerten Restaurants rund um den Campanile essen, ein paar Souvenirs mitnehmen; dann weiter nach Florenz oder zurück aufs Kreuzfahrtschiff.

Ein Marktstand im Freien mit Obst und Gemüse, zwei Frauen beim Einkaufen, umgeben von bunten Gebäuden.
Kleiner Markt in der Altstadt © Siegbert Mattheis
Ein ruhiger Fluss spiegelt nachts unter dem dunkelblauen Himmel die beleuchteten historischen Gebäude und eine kleine Kirche wider.
Ruhiges Pisa am Abend © Siegbert Mattheis
Menschen unterhalten sich in einem Park mit Bäumen und einer Statue im Hintergrund. Gruppen sitzen und stehen auf Wegen.
Pisa ist eine Studentenstadt © Siegbert Mattheis

Dabei verpassen sie vielleicht das Beste, das authentische Pisa mit lebhaftem Studentenleben, schattigen Parks, einzigartigen Museen, verträumten Gassen und geschichtsträchtigen Bauten. Und das alles nicht einmal ein paar hundert Meter vom Schiefen Turm entfernt!

Denn das war das Erstaunlichste für uns. Nur ein paar Schritte vom Campanile entfernt sieht man so gut wie keine Tourist:innen mehr!

Inzwischen waren wir mehrfach für mehrere Tage in der Stadt und zeigen euch hier unsere Geheimtipps verborgener Orte oder versteckter Restaurants.

Orto e Museo Botanico

Der Botanische Garten wurde bereits 1543 gegründet und gilt als ältester universitärer Botanischer Garten der Welt, der sich noch an seinem ursprünglichen Standort befindet. Auf rund zwei Hektar wachsen etwa 3.000 Pflanzenarten.

Eine alte Villa mit grünen Fensterläden, Säulen und einem kleinen Teich mit Pflanzen davor, unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Botanischer Garten © Siegbert Mattheis
Der Schiefe Turm von Pisa ist hinter üppig grünen Bäumen und hohen Palmen teilweise zu sehen.
Überall tolle Fotomotive vom Schiefen Turm © Siegbert Mattheis

Der Eingang, nicht weit von der Piazza dei Miracoli entfernt, wirkt eher unscheinbar. Umso größer war unsere Überraschung, als sich hinter den Mauern eine grüne Oase mitten in der Stadt öffnet.

Zwischen Palmen, Heilpflanzen, Kakteen, jahrhundertealten Bäumen und ganzen Bambuswäldern führen stille Wege durch den Garten.

An das Freigelände schließt sich das Botanische Museum an. Dort konnten wir erfahren, wie Pflanzen früher wissenschaftlich erforscht wurden. Historische Herbarien, botanische Zeichnungen, alte Instrumente und Wachsmodelle vermittelten uns einen spannenden Einblick in die Geschichte der Botanik.

Wenn ihr euch für Natur, Wissenschaft oder Fotografie interessiert, solltet ihr euch für den Garten mindestens eine Stunde Zeit nehmen.

Was macht den Botanischen Garten besonders?

  • ältester universitärer Botanischer Garten der Welt
  • mehrere tausend Pflanzenarten
  • historische Gewächshäuser
  • Botanisches Museum
  • ruhige Atmosphäre mitten in der Innenstadt

Unser Tipp: Gerade an heißen Sommertagen bietet der Garten angenehmen Schatten. Plant euren Besuch möglichst am Vormittag oder am späten Nachmittag.
Fototipp: Vom Garten aus kann man den Schiefen Turm in ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren.

Royal Victoria Hotel

Ralativ unscheinbar am nördlichen Ufer des Arno gelegen, gilt das Royal Victoria Hotel als das älteste Hotel Italiens.

Unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken säumen farbenfrohe historische Gebäude eine Straße am Flussufer.
Royal Victoria Hotel am Ufer des Arno, das älteste Hotel Italiens © Siegbert Mattheis

Der Ursprung geht bereits auf das Jahr 1050 als Pilgerherberge zurück. Seit 1837 wird es als Hotel geführt und immer noch von derselben Familie betrieben.

Das Hotel hatte als erstes privates Haus Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufzug, es gab fließendes Wasser, Zentralheizung und ein Telefon; ein wahrer Luxus für die damalige Zeit.

Schon beim Betreten fühlten wir uns eher wie in einem historischen Stadtpalast als in einem modernen Hotel. Die großen Salons, antiken Möbel, alten Gemälde, schweren Vorhänge und knarrenden Holzböden erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit.

Hier haben schon Berühmtheiten wie Napoleon, Dickens und D’Annunzio sowie zahlreiche Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Wissenschaftler:innen und Mitglieder europäischer Königshäuser hier übernachtet.

Elegante Hotellobby mit kariertem Boden, rotem Sofa, Bögen und warmer Beleuchtung, die in einen Flur führt.
Eingangsbereich im Retro-Stil © Siegbert Mattheis
Ein kleiner runder Tisch mit drei Stühlen auf einer sonnigen Terrasse, umgeben von Topfpflanzen und Blumen.
Kleine Dachterrasse © Siegbert Mattheis

Charmanter Retro-Stil

Wer allerdings heutigen Luxus erwartet, ist hier falsch. Das Hotel ist bewusst nicht modernisiert und bewahrt seinen historischen Charakter und eine Atmosphäre wie aus einem alten italienischen Film. 😉

Selbst wenn ihr nicht dort übernachtet, lohnt sich ein Abstecher in die historische Lobby oder auf die Dachterrasse. Von dort habt ihr eine der schönsten Aussichten auf Pisa!

Tipp: Fragt das Personal nach den versteckten Geschichten des Hauses. Die Familie, die das Hotel führt, kennt viele spannende Anekdoten.

Chiesa del Santo Sepolcro

Als wir am Südufer des Arno entlang gelaufen sind, entdeckten wir plötzlich eine kleine, außergewöhnliche Rundkirche, die völlig anders aussieht als fast alle anderen Gotteshäuser der Toskana.

Steinkirche mit kegelförmigem Dach und Glockenturm vor blauem Himmel mit vereinzelten Wolken.
Außergewöhnliche oktogonale Chiesa del Santo Sepolcro © Siegbert Mattheis

Die Chiesa del Santo Sepolcro (Kirche des heiligen Grabmals) besitzt einen nahezu achteckigen Grundriss und wurde 1138 vermutlich von Diotisalvi erbaut. Jedenfalls ist sein Name auf dem Turm eingraviert. Derselbe Architekt wird auch mit dem berühmten Baptisterium auf der Piazza dei Miracoli in Verbindung gebracht.

Ihre ungewöhnliche Form orientiert sich an der Grabeskirche in Jerusalem. Das überrascht nicht, denn Pisa war im Mittelalter eine bedeutende Seerepublik und eng mit den Kreuzzügen verbunden.

Innenansicht einer achteckigen Kirchenkuppel aus Stein mit hohen Bögen und hölzernen Deckenpaneelen.
Hohe Arkaden im Inneren © Siegbert Mattheis
In einer von Kerzen beleuchteten Steinkirche mit Gewölben und hohen Säulen sitzen und stehen Menschen und blicken auf einen Priester.
Die Kirche beim Gottesdienst © Siegbert Mattheis

Von außen wirkt die Kirche schlicht und fast wehrhaft. Die helle Natursteinfassade, die hohen Arkaden im Inneren und die geometrischen Formen unterscheiden sie deutlich von den prunkvolleren Kirchen der Stadt.

Wir wären beinahe achtlos daran vorbeigelaufen. Viele Besucher laufen achtlos daran vorbei. Dabei gehört sie zu einer der spannendsten Sakralbauten in Pisa.

Warum sich ein kurzer Stopp lohnt:

  • außergewöhnliche romanische Architektur
  • Verbindung zu den Kreuzzügen
  • kaum Besucher:innen
  • schönes Fotomotiv direkt am Arno

Tuttomondo von Keith Haring

Pisas berühmtestes Kunstwerk der Moderne, Tuttomondo, („Die ganze Welt“) ist das letzte große Wandgemälde, das der amerikanische Pop-Art- und Street-Art-Künstler Keith Haring noch zu Lebzeiten selbst realisierte.

Farbenfrohes Wandgemälde mit abstrakten, konturierten Menschen-, Tier- und Herzformen, das eine gesamte Gebäudewand bedeckt.
Tuttomondo von Keith Haring © Siegbert Mattheis

Auf einer Fläche von rund 180 Quadratmetern schuf Haring 1989 ein Mosaik aus 30 ineinander verschlungenen Figuren. Jede einzelne steht für einen Aspekt von Frieden, Zusammenhalt und einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur. Obwohl das Werk auf den ersten Blick verspielt wirkt, entdeckt man bei genauerem Hinsehen immer neue Details und Symbole.

Zu den Figuren gehören unter anderem:

  • zwei Menschen, die gemeinsam eine Schere halten und eine Schlange durchtrennen. Sie stehen für den Sieg über das Böse.
  • eine Frau mit einem Kind als Symbol für Leben und Fürsorge.
  • Delfine, die Harmonie mit der Natur darstellen.
  • Menschen, die sich gegenseitig stützen und helfen.
  • Herzen, Schlangen, Fische und weitere Symbole, die immer wieder in Harings Werken auftauchen.

Bereits wenige Monate später starb Haring im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.

Das Mural findet ihr an der Rückseite der Kirche Sant’Antonio Abate, nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof Pisa Centrale aus.

Fototipp: Es lässt sich schwer in Gänze fotografieren, weil wenig Platz davor ist. Am besten mit Weitwinkel und dann später in Photoshop korrigieren.

Galileo-Graffiti von Eduardo Kobra

Im November 2023 hatte der brasilianische Street-Art-Künstler Eduardo Kobra den Universalgelehrten Galileo Galilei mit einem augenzwinkernden Blick auf einem der größten Wandgemälde Italiens verewigt. Ihr findet es an der Rückwand eines Gebäudes in der Via Silvio Pellico.

Farbenfrohes Wandbild, das einen bärtigen Mann zeigt, der durch ein Teleskop auf Planeten blickt, vor dem Hintergrund einer dunkelblauen, sternenübersäten Wand.
Galileo Galilei © Siegbert Mattheis

Galileo wurde 1564 in Pisa geboren und gehört zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern der Geschichte. Dass ihm die Stadt heute auch mit moderner Straßenkunst ein Denkmal setzt, passt gut.

Unser Tipp: Wenn ihr mit dem Zug anreist und in die Stadt wollt, kommt ihr beinahe direkt daran vorbei.

Wer gerne fotografiert, sollte das Wandbild sowohl vormittags als auch am späten Nachmittag ansehen. Bis etwa mittags scheint die Sonne darauf, danach liegt das Mural im indirekten Licht.

Santa Maria della Spina

Diese kleine Kirche direkt am Arno schon beinahe süß 😉 . Dabei ist sie ein echtes Juwel der Gotik. Trotz ihrer bescheidenen Größe hat sie uns mit ihren filigranen Verzierungen und ihrer märchenhaften Lage direkt am Fluss beeindruckt.

Am Ufer eines Flusses steht eine kleine weiße gotische Kirche, im Hintergrund sind gelbe und ziegelrote Gebäude zu sehen.
Die winzige Chiesa Santa Maria della Spina direkt am Ufer des Arno © Siegbert Mattheis
Schmale Kopfsteinpflasterstraße mit efeubewachsenen Mauern und strahlend blauem Himmel.
Verträumte Gassen in Pisa © Siegbert Mattheis

Die Bezeichnung „Dornenkirche“ (spina = Dorn) stammt von einem Dorn der Dornenkrone von Jesus, der 1333 hierhergebracht und lange Zeit in dieser Kirche aufbewahrt wurde. Allerdings musste diese Reliquie im 19. Jahrhundert an die Kirche Santa Chiara abgegeben werden und liegt heute in deren Kapelle, die zum gleichnamigen Krankenhaus gehört.

Ursprünglich wurde sie auf dem Kiesbett des Arno um 1230 gebaut und war von einem offenen Laubengang umgeben. 1871 wurde sie jedoch wegen des ständig drohenden Hochwassers demontiert und 1884 während der Umgestaltungsarbeiten der Arnopromenaden an der heutigen, höher gelegenen Stelle wieder aufgebaut.

Im Vergleich zum reich verzierten Äußeren sieht das Innere ziemlich einfach aus. Es besteht nur aus einem einzigen Raum mit einer Holzdecke, die während des Wiederaufbaus im neunzehnten Jahrhundert verziert wurde.

Derzeit wird der Innenraum der Kirche für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt.

Piazza delle Vettovaglie

Der kleine, von Arkaden gesäumte „Viktualienmarkt“ gilt als das kulinarische Herz der Stadt. Diese Loggia wurde um 1545 auf Geheiß von Cosimo I. de’ Medici erbaut.

Auf einem belebten Platz mit gelben Gebäuden und roten Sonnenschirmen sitzen Menschen an Tischen im Freien unter Arkaden.
Nachmittags füllen sich die Plätze in den Restaurants © Siegbert Mattheis

Seit 1900 ist er die Heimat des ambulanten Obst- und Gemüsemarktes. Abends verwandelt er sich in das Zentrum des Nachtlebens, mit zahlreichen Restaurants und Clubs, die vor allem von vielen Student:innen der Stadt besucht werden.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Mit dem Flugzeug: Pisa wird von vielen Destinationen und Airlines angeflogen. Der Flughafen ist nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt.

Mit der Bahn: Der Bahnhof Pisa Centrale liegt fußläufig vom Arno und dem Zentrum entfernt.

Die beste Reisezeit ist von März bis Juni und vom September bis November.

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