Pisa ist natürlich weltberühmt für seinen Schiefen Turm, aber die Stadt hat noch so viel mehr zu bieten! Neben den bekannten und beeindruckenden Bauwerken gibt es wunderschöne versteckte Ecken, die viele Tourist:innen übersehen.
Hier erfahrt ihr, welche Sehenswürdigkeiten ihr auf keinen Fall verpassen solltet und welche Geheimtipps euch das authentische Pisa zeigen.
Lohnt sich Pisa für mehrere Tage?
Auf jeden Fall. Die meisten kommen nur nach Pisa für den berühmten Torre Pendente (den schiefen Turm, den man allerdings schon einmal im Leben gesehen haben sollte ;).
Schnell das obligatorische Insta-Foto vom Rasen auf der Piazza dei Miracoli aus gemacht, bei dem man den Turm scheinbar vor dem Umfallen bewahrt, vielleicht noch etwas in den überteuerten Restaurants rund um den Campanile essen, ein paar Souvenirs mitnehmen; dann weiter nach Florenz oder zurück aufs Kreuzfahrtschiff.
Dabei verpassen sie vielleicht das Beste, das authentische Pisa mit lebhaftem Studentenleben, schattigen Parks, einzigartigen Museen, verträumten Gassen und geschichtsträchtigen Bauten. Und das alles nicht einmal ein paar hundert Meter vom Schiefen Turm entfernt!
Denn das war das Erstaunlichste für uns. Nur ein paar Schritte vom Campanile entfernt sieht man so gut wie keine Tourist:innen mehr!
Inzwischen waren wir mehrfach für mehrere Tage in der Stadt und zeigen euch hier unsere Geheimtipps verborgener Orte oder versteckter Restaurants.
Orto e Museo Botanico
Der Botanische Garten wurde bereits 1543 gegründet und gilt als ältester universitärer Botanischer Garten der Welt, der sich noch an seinem ursprünglichen Standort befindet. Auf rund zwei Hektar wachsen etwa 3.000 Pflanzenarten.
Der Eingang, nicht weit von der Piazza dei Miracoli entfernt, wirkt eher unscheinbar. Umso größer war unsere Überraschung, als sich hinter den Mauern eine grüne Oase mitten in der Stadt öffnet.
Zwischen Palmen, Heilpflanzen, Kakteen, jahrhundertealten Bäumen und ganzen Bambuswäldern führen stille Wege durch den Garten.
An das Freigelände schließt sich das Botanische Museum an. Dort konnten wir erfahren, wie Pflanzen früher wissenschaftlich erforscht wurden. Historische Herbarien, botanische Zeichnungen, alte Instrumente und Wachsmodelle vermittelten uns einen spannenden Einblick in die Geschichte der Botanik.
Wenn ihr euch für Natur, Wissenschaft oder Fotografie interessiert, solltet ihr euch für den Garten mindestens eine Stunde Zeit nehmen.
Was macht den Botanischen Garten besonders?
- ältester universitärer Botanischer Garten der Welt
- mehrere tausend Pflanzenarten
- historische Gewächshäuser
- Botanisches Museum
- ruhige Atmosphäre mitten in der Innenstadt
Unser Tipp: Gerade an heißen Sommertagen bietet der Garten angenehmen Schatten. Plant euren Besuch möglichst am Vormittag oder am späten Nachmittag.
Fototipp: Vom Garten aus kann man den Schiefen Turm in ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren.
Royal Victoria Hotel
Ralativ unscheinbar am nördlichen Ufer des Arno gelegen, gilt das Royal Victoria Hotel als das älteste Hotel Italiens.
Der Ursprung geht bereits auf das Jahr 1050 als Pilgerherberge zurück. Seit 1837 wird es als Hotel geführt und immer noch von derselben Familie betrieben.
Das Hotel hatte als erstes privates Haus Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufzug, es gab fließendes Wasser, Zentralheizung und ein Telefon; ein wahrer Luxus für die damalige Zeit.
Schon beim Betreten fühlten wir uns eher wie in einem historischen Stadtpalast als in einem modernen Hotel. Die großen Salons, antiken Möbel, alten Gemälde, schweren Vorhänge und knarrenden Holzböden erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit.
Hier haben schon Berühmtheiten wie Napoleon, Dickens und D’Annunzio sowie zahlreiche Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Wissenschaftler:innen und Mitglieder europäischer Königshäuser hier übernachtet.
Charmanter Retro-Stil
Wer allerdings heutigen Luxus erwartet, ist hier falsch. Das Hotel ist bewusst nicht modernisiert und bewahrt seinen historischen Charakter und eine Atmosphäre wie aus einem alten italienischen Film. 😉
Selbst wenn ihr nicht dort übernachtet, lohnt sich ein Abstecher in die historische Lobby oder auf die Dachterrasse. Von dort habt ihr eine der schönsten Aussichten auf Pisa!
Tipp: Fragt das Personal nach den versteckten Geschichten des Hauses. Die Familie, die das Hotel führt, kennt viele spannende Anekdoten.
Chiesa del Santo Sepolcro
Als wir am Südufer des Arno entlang gelaufen sind, entdeckten wir plötzlich eine kleine, außergewöhnliche Rundkirche, die völlig anders aussieht als fast alle anderen Gotteshäuser der Toskana.
Die Chiesa del Santo Sepolcro (Kirche des heiligen Grabmals) besitzt einen nahezu achteckigen Grundriss und wurde 1138 vermutlich von Diotisalvi erbaut. Jedenfalls ist sein Name auf dem Turm eingraviert. Derselbe Architekt wird auch mit dem berühmten Baptisterium auf der Piazza dei Miracoli in Verbindung gebracht.
Ihre ungewöhnliche Form orientiert sich an der Grabeskirche in Jerusalem. Das überrascht nicht, denn Pisa war im Mittelalter eine bedeutende Seerepublik und eng mit den Kreuzzügen verbunden.
Von außen wirkt die Kirche schlicht und fast wehrhaft. Die helle Natursteinfassade, die hohen Arkaden im Inneren und die geometrischen Formen unterscheiden sie deutlich von den prunkvolleren Kirchen der Stadt.
Wir wären beinahe achtlos daran vorbeigelaufen. Viele Besucher laufen achtlos daran vorbei. Dabei gehört sie zu einer der spannendsten Sakralbauten in Pisa.
Warum sich ein kurzer Stopp lohnt:
- außergewöhnliche romanische Architektur
- Verbindung zu den Kreuzzügen
- kaum Besucher:innen
- schönes Fotomotiv direkt am Arno
Tuttomondo von Keith Haring
Pisas berühmtestes Kunstwerk der Moderne, Tuttomondo, („Die ganze Welt“) ist das letzte große Wandgemälde, das der amerikanische Pop-Art- und Street-Art-Künstler Keith Haring noch zu Lebzeiten selbst realisierte.
Auf einer Fläche von rund 180 Quadratmetern schuf Haring 1989 ein Mosaik aus 30 ineinander verschlungenen Figuren. Jede einzelne steht für einen Aspekt von Frieden, Zusammenhalt und einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur. Obwohl das Werk auf den ersten Blick verspielt wirkt, entdeckt man bei genauerem Hinsehen immer neue Details und Symbole.
Zu den Figuren gehören unter anderem:
- zwei Menschen, die gemeinsam eine Schere halten und eine Schlange durchtrennen. Sie stehen für den Sieg über das Böse.
- eine Frau mit einem Kind als Symbol für Leben und Fürsorge.
- Delfine, die Harmonie mit der Natur darstellen.
- Menschen, die sich gegenseitig stützen und helfen.
- Herzen, Schlangen, Fische und weitere Symbole, die immer wieder in Harings Werken auftauchen.
Bereits wenige Monate später starb Haring im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.
Das Mural findet ihr an der Rückseite der Kirche Sant’Antonio Abate, nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof Pisa Centrale aus.
Fototipp: Es lässt sich schwer in Gänze fotografieren, weil wenig Platz davor ist. Am besten mit Weitwinkel und dann später in Photoshop korrigieren.
Galileo-Graffiti von Eduardo Kobra
Im November 2023 hatte der brasilianische Street-Art-Künstler Eduardo Kobra den Universalgelehrten Galileo Galilei mit einem augenzwinkernden Blick auf einem der größten Wandgemälde Italiens verewigt. Ihr findet es an der Rückwand eines Gebäudes in der Via Silvio Pellico.
Galileo wurde 1564 in Pisa geboren und gehört zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern der Geschichte. Dass ihm die Stadt heute auch mit moderner Straßenkunst ein Denkmal setzt, passt gut.
Unser Tipp: Wenn ihr mit dem Zug anreist und in die Stadt wollt, kommt ihr beinahe direkt daran vorbei.
Wer gerne fotografiert, sollte das Wandbild sowohl vormittags als auch am späten Nachmittag ansehen. Bis etwa mittags scheint die Sonne darauf, danach liegt das Mural im indirekten Licht.
Santa Maria della Spina
Diese kleine Kirche direkt am Arno schon beinahe süß 😉 . Dabei ist sie ein echtes Juwel der Gotik. Trotz ihrer bescheidenen Größe hat sie uns mit ihren filigranen Verzierungen und ihrer märchenhaften Lage direkt am Fluss beeindruckt.
Die Bezeichnung „Dornenkirche“ (spina = Dorn) stammt von einem Dorn der Dornenkrone von Jesus, der 1333 hierhergebracht und lange Zeit in dieser Kirche aufbewahrt wurde. Allerdings musste diese Reliquie im 19. Jahrhundert an die Kirche Santa Chiara abgegeben werden und liegt heute in deren Kapelle, die zum gleichnamigen Krankenhaus gehört.
Ursprünglich wurde sie auf dem Kiesbett des Arno um 1230 gebaut und war von einem offenen Laubengang umgeben. 1871 wurde sie jedoch wegen des ständig drohenden Hochwassers demontiert und 1884 während der Umgestaltungsarbeiten der Arnopromenaden an der heutigen, höher gelegenen Stelle wieder aufgebaut.
Im Vergleich zum reich verzierten Äußeren sieht das Innere ziemlich einfach aus. Es besteht nur aus einem einzigen Raum mit einer Holzdecke, die während des Wiederaufbaus im neunzehnten Jahrhundert verziert wurde.
Derzeit wird der Innenraum der Kirche für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt.
Piazza delle Vettovaglie
Der kleine, von Arkaden gesäumte „Viktualienmarkt“ gilt als das kulinarische Herz der Stadt. Diese Loggia wurde um 1545 auf Geheiß von Cosimo I. de’ Medici erbaut.
Seit 1900 ist er die Heimat des ambulanten Obst- und Gemüsemarktes. Abends verwandelt er sich in das Zentrum des Nachtlebens, mit zahlreichen Restaurants und Clubs, die vor allem von vielen Student:innen der Stadt besucht werden.
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.
Mit dem Flugzeug: Pisa wird von vielen Destinationen und Airlines angeflogen. Der Flughafen ist nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt.
Mit der Bahn: Der Bahnhof Pisa Centrale liegt fußläufig vom Arno und dem Zentrum entfernt.
Die beste Reisezeit ist von März bis Juni und vom September bis November.




















