Ein kunsthistorischer Rom-Spaziergang

Waldrudis_Hoffmann

Waldrudis Hoffmann

Der helle Kiesel knirscht angenehm unter meinen Füßen, als ich den gepflegten Garten im römischen Bezirk Parioli betrete. Eine große Magnolie strotzt vor Kraft mit ihren saftigen Blättern und mein faszinierter Blick wandert zwischen diversen Statuen und Büsten durch das grüne Idyll und sucht vergeblich nach einer Klingel. Zum Glück werde ich erwartet und die Tür steht offen …

Hier wohnt und arbeitet die charismatische Heidelbergerin und Wahl-Römerin Waldrudis Hoffmann* inmitten ihrer Kunstobjekte im antiken Stil und hier auch ist ihre „Schule des Sehens“ zu Hause. Hier hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Kunstkennern sowie Laien die Augen für das Außergewöhnliche und Schöne in der Betrachtung von Kunstwerken zu öffnen und somit den Kunstgenuss zu steigern.

Jedem der dazu bereit ist, möchte sie einen neuen persönlichen Zugang zum Kunstwerk ermöglichen, in die Vorstellung des Auftraggebers, in das Leben und Wirken berühmter Künstler einführen und so die Möglichkeit bieten, die Kunst Roms mit neuen Augen zu erleben.

Kein anderer Moment im Jahr eignet sich nach Erfahrung von Frau Hoffmann besser dafür als der Winter. Denn wenn in Deutschland Schnee und Matsch die Akustik der Straßen dämpft, ist das Fehlen der zahlreichen Besucher aus aller Welt in Rom der Grund für eine ganz eigene, ungewohnte Idylle.

Das ist der einzige Moment im Jahr, in dem man selbst im „tazza d’oro“ am Pantheon seinen Ellenbogen neben der Kaffee-Tasse am Tresen ablegen kann. In dem man ohne Ausweich-Zickzack in die Schaufenster des historischen Zentrums blicken kann, wo einem zudem die viel versprechenden Worte „SALDI“ (Schlussverkauf) entgegen leuchten. Es ist der Augenblick im Jahr, wo es durchaus kalt ist, einem die Mittags-Sonne jedoch bereits wohltuend den bemantelten Rücken wärmt, während man seine Pasta auf der Piazza einnimmt.

Im Winter gehört die ewige Stadt den Römern quasi ganz allein und bietet ein stimmiges, lokal gefärbtes Stadtbild und den wenigen Besuchern die seltene Möglichkeit, Rom ungestört vom Massen-Tourismus, Warteschlangen und überfüllten Restaurants zu erleben, die Stadt also wirklich sehen und wahrnehmen zu können.

Bestimmt also ist das genau der richtige Moment für meinen nächsten Rom-Aufenthalt und die verschiedenen von Waldrudis Hoffmann empfohlenen kunsthistorischen Spaziergänge durch die Museen und Paläste der Stadt, von denen ich hier im Speziellen einen vorstellen möchte:

Raffael_Villa_FarnesinaDie Renaissancevillen der Kardinäle und die von Raffael ausgemalte Villa Farnesina (Via della Lungara, 230, 00165 Rom. Mo – Sa 9– 13h, So geschlossen)

„Das schönste Sommerhaus der Erde“, schrieb der bedeutende Schweizer Kulturhistoriker Jakob Burckhardt. Parallel zu den Stanzen malte Raffael mit seinen Schülern die Loggia dieser Villa aus. Er illustrierte nicht einfach den Unterhaltungsroman „Amor und Psyche“ des antiken Dichters Apuleios, sondern er schaffte ihn kreativ nach mit didaktischen Absichten und vielen frivolen Anspielungen. Für Goethe das Schönste, was er je auf dem Gebiet der Dekoration gesehen hatte.

Palazzo-Massimo-Aphrodite1National Museum Palazzo Massimo
Largo di Villa Peretti 1, Via Enrico de Nicola 79, 00185 Roma, Italien (Dienstag – Sonntag, 09.00 – 19.45 – Montag geschlossen)

Dieses Museum bietet die ideale Ergänzung zu den Ruinen des antiken Rom. Es vermittelt uns anhand hoch qualifizierter Werke hautnah den Eindruck der künstlerischen Ausstattung kaiserlicher Paläste, Theater, Thermen wie auch der Villen und Parkanlagen der römischen aristokratischen Oberschicht. Zu den absoluten Höhepunkten der Sammlung gehören originale Bronzestatuen wie der berühmte ‚Faustkämpfer’ und die einmaligen Wandmalereien aus römischen Villen wie der berühmte, gemalte Garten aus der Villa der Livia.

 

Villa-Borghese_Canova_PaolinaGalleria Borghese
Piazzale del Museo Borghese, 5, 00197 Roma, Italien (Dienstag – Sonntag, 09.00 – 19.00 – Montag geschlossen)

Wenige Museen der Welt bieten auf einem derart begrenzten Raum eine so große Anzahl von unbestrittenen Meisterwerken. Neben Gemälden von Raffael und Tizian und der

Apoll_Daphne_BerniniStatue der Paolina Borghese von Antonio Canova werden wir den Schwerpunkt auf die Werke der beiden größten Barockkünstler legen, auf die auch der ehrgeizige Kardinal Borghese sein Augenmerk gerichtet hatte, als er dem jungen Bernini zehn Werke in Auftrag gab und von Caravaggio zwölf Gemälde erwarb, von denen sich heute noch sechs Bilder in der Sammlung befinden.

 

 

 

 

Vatikanische Museen und die Sixtinische Kapelle
Viale Vaticano, 00165 Città del Vaticano (Öffnungszeiten saisonbedingt)

Vatik.Museen-Sixtina-MichelangeloSeit der Renaissance war Rom geprägt von einem Wettstreit, dem Wettstreit um die Kunst. Die Päpste und ihre Nepoten entdecken die Kunst als Legitimationsgrundlage des religiösen und politischen Handelns, die Kunst wird geradezu zum bedeutungsvollsten und wirksamsten Mittel ihrer Visionen von Machtdarstellung. Das war auch die Rettung der Kunst. Neben den berühmten Meisterwerken der Antike wie Apoll von Belvedere, Laokoon und Torso erleben wir die beiden größten Renaissancekünstler und werden sie miteinander konfrontieren: Raffael in den Stanzen und Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.

Voller Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen und ein so neuartiges Rom-Erleben winke ich Waldrudis Hoffmann, welche sich mit ihrem Lieblingszitat: „Die wahre Reise der Entdeckung besteht nicht darin, neues Land zu erobern, sondern mit neuen Augen zu sehen“ (Marcel Proust) von mir verabschiedet, bevor sie knarzend das Gartentörchen hinter mir schließt.

* Mehr Informationen zu Waldrudis Hoffmann und ihrer „Schule des Sehens“ finden Sie hier unter www.romschuledessehens.com

Isabel Schwarzberg

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